Verschätzt? : Nordkorea: Situation könnte ernster werden als gedacht

Der Irre mit der Bombe – so nannte der "Spiegel" Kim Jong Il in weiser Voraussicht. Aber sehen wollte das doch keiner, so scheint es: Nordkorea ist weit weg, und Nordkorea ist kein Staat, der mit einer Ideologie aufwartet, die Gefolgschaft erzeugt. Beides ist richtig, nur zu kurz gedacht.

Stephan-Andreas Casdorff

Der Irre mit der Bombe – so nannte der „Spiegel“ Kim Jong Il in weiser Voraussicht. Aber sehen wollte das doch keiner, so scheint es: Nordkorea ist weit weg, und Nordkorea ist kein Staat, der mit einer Ideologie aufwartet, die Gefolgschaft erzeugt. Beides ist richtig, nur zu kurz gedacht. Eben weil Nordkorea allen so fern ist, und weil sich der geltungssüchtige Diktator nicht ernst genommen fühlt, könnte es ernster werden als gedacht. Was soll ihm in seinem Land auch passieren? Sein Volk begehrt nicht auf, es wird von der Welt entfremdet. Von einer starken Opposition ist nichts bekannt, und der Diktator hätte immer genug Mittel, eine Revolte zu unterdrücken. Vor diesem Hintergrund gilt es, die multilaterale Koalition zu schmieden, die sich US-Präsident Obama getreu seiner außenpolitischen Grundlinie wünscht. Europa täte gut daran, sich schnell an seine Seite zu stellen – um dann gemeinsam China zu drängen, dass es seine regionale Vormachtstellung für Verhandlungen einsetzt. Das würde den Chinesen schmeicheln, und der Aufwand dann Nordkorea: Es fühlte sich wahrgenommen, was Offenheit für Gespräche fördert. Ein erster Schritt auf dem längeren Weg der Ent-Rüstung. Aber jeder Marsch beginnt mit dem ersten Schritt.

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