Meinung : Verspätete Versionen

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Der Grünen-Chef Reinhard Bütikofer hat vermutlich Recht: Die Debatte des Wochenendes über die Möglichkeit einer schwarz-gelb-grünen Alternative zur großen Koalition wird das große Sommerlochthema bleiben. Die Jamaika-Koalition, sagt er, sei nicht realisierbar. Aufschlussreich ist, dass überhaupt darüber geredet wird. Denn am Anfang der großen Koalition stand bei aller Kritik eines kaum in Frage: dass sie den schwierigen Zeiten und den großen Probleme irgendwie angemessen sei. Wer, wenn nicht eine große Koalition, hieß es, könne in dieser Lage das Land noch retten? Dabei war es nicht lange her, dass die Politik schon einmal einem solchen Missverständnis erlag: Rot-Grün passte schon nicht mehr zur „gesellschaftlichen Situation“, als sie an die Macht kamen. Noch kurz vor dem Ende des rot-grünen Projekts entzog ihm Gerhard Schröder mit diesem Satz das letzte Kapital – die historische Legitimation. Am Ende dieses Sommers wird es nicht zu einer neuen Koalition gekommen sein, doch möglicherweise wird sich eine neue Deutung durchgesetzt haben: dass der historische Moment für die große Koalition 2005 bereits genauso verpasst war wie der von Rot-Grün 1998. mos

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