Meinung : Verstrahlte Argumente

Der Atomausstieg bietet Eon eine Rechtfertigung für den Stellenabbau, redlich ist das nicht

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Wer nicht das leistet, was man von ihm erwartet, ist für jedes einigermaßen plausible Argument dankbar, um sich zu rechtfertigen. Genau diese Funktion erfüllt der beschleunigte Atomausstieg für Deutschlands größten Energiekonzern Eon. Bis zu 11000 Menschen sollen ihren Arbeitsplatz angeblich deswegen verlieren müssen. Richtig ist zwar, dass Eon durch die Energiewende ein sehr lukratives Geschäft verliert. Allein im ersten Halbjahr sollen sich die deswegen anfallenden Belastungen auf 1,9 Milliarden Euro summiert haben, weist Eon aus – woran sich zeigt, was für eine beeindruckende Gelddruckmaschine die atomare Stromerzeugung doch ist (jedenfalls dann, wenn alle Risiken vergesellschaftet werden).

Aber Konzernchef Johannes Teyssen hatte schon lange vor der Energiewende das Ende der fetten Jahre ausgerufen, und auch die zunächst von der Bundeskanzlerin durchgedrückte Verlängerung der Laufzeiten hatte an dieser Ansage nichts geändert. Das Atomthema ist also allenfalls eines von vielen Problemen des Unternehmens.

Eon selbst begründet seinen schwachen Ausblick mit den „politischen Interventionen und der außerordentlich schwierigen wirtschaftlichen Lage“. Doch auch die Konjunktur taugt kaum als Rechtfertigung der Schwäche. Deutschland, wo Eon die Hälfte seines Umsatzes erwirtschaftet, erlebt immer noch einen starken Aufschwung, und zumindest vorerst sieht es so aus, dass der sich auch im nächsten Jahr leicht abgeschwächt fortsetzt. Und in anderen Regionen wächst das Geschäft zum Teil rasant, etwa in Russland. Eon verfügt zudem über eine enorme Finanzkraft: Das Düsseldorfer Unternehmen hat seine Verschuldung binnen einem Jahr um 16 Milliarden Euro gesenkt und damit halbiert.

„Eon vor großen Herausforderungen“, ist die Mitteilung überschrieben, in der das Unternehmen den Stellenabbau angekündigt. Doch auch ohne beschleunigten Atomausstieg und schwächere Konjunktur stünde Eon vor großen Herausforderungen. Die internen Strukturen sind über die Jahre zu komplex geworden, und das intelligente Stromnetz der Zukunft verlangt nach gewaltigen Investitionen, die die Branche auf die lange Bank geschoben hat.

Eines stimmt aber auch: Der Atomausstieg kostet Geld – einer Studie zufolge bis zum Jahr 2030 mindestens 32 Milliarden Euro. Noch ist nicht in Ansätzen entschieden, wer diese Kosten übernimmt. Natürlich wird die Wirtschaft nach dem Staat – also dem Steuerzahler – rufen. Aber sinnvoll wäre es, wenn die Kosten auch die großen Energiekunden direkt treffen. Dann nämlich, allen Desinvestitionsdrohungen zum Trotz, steigen die Chancen, dass die deutsche Wirtschaft Energie spart, und nur so lassen sich die deutschen Klimaziele erfüllen.

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