Meinung : Vertalkt

„Der Streitgeist“ vom 8. Mai

So sehr ich die konzisen Beiträge, mit denen Hermann Rudolph das Blatt regelmäßig bereichert, schätze und auch seiner Würdigung des Historikers Arnulf Baring in weiten Teilen folgen kann, muss man bei Betrachtung des Wirkens des Jubilars in jüngster Zeit einen Einwand machen. Als junger Historiker war Baring vor allem mit seinen Büchern „Außenpolitik in Adenauers Kanzlerdemokratie“ und „Machtwechsel“ salopp – wie wir damals sagten – eine Granate. Die Studien waren gut recherchiert, Baring verfügte nicht nur über ein exzellentes methodisches Instrumentarium, sondern auch über einen privilegierten Quellenzugang und vorzügliche Kontakte zu Zeitzeugen. Leider hat sich der einstmals bedeutende Historiker Arnulf Baring seit einigen Jahren zum Büttel der Medien im Genre Talkshow machen lassen. Keiner spielt in dieser Sparte neben anderen Teilnehmern, wie zum Beispiel Hans-Olaf Henkel, Peter Scholl-Latour, Michael Spreng, Michel Friedman, Hans-Ulrich Jörges, seine Rolle als advocatus diaboli, den man braucht, damit das Format funktioniert, so perfekt wie er. Was auffällt ist allerdings, dass sich außer Baring kein namhafter Wissenschaftler von Format für derartige Auftritte hergibt. Schade, dass er sich heute für diese Rolle hergibt, er wirkt manchmal fast wie ein Politclown.

Dr. Hans Ehlert, Falkensee

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