Meinung : Viele Namen - eine Hoffnung

clw

Es kommt wieder Bewegung in den Nahen Osten: Der US-Gesandte Anthony Zinni kehrt am Donnerstag in die Region zurück. Am 15. Dezember hatte er seine Vermittlungsmission inmitten einer palästinensischen Attentatswelle abgebrochen. Jetzt bescheinigt sogar die israelische Armee einen signifikanten Rückgang der Gewalt. Es scheint, Arafat ist diesmal tatsächlich an einer Beruhigung interessiert. Unterdessen wird aus dem israelischen Präsidialamt eine interessante Idee lanciert. Demnach wäre Präsident Katsav bereit, vor dem palästinensischen Parlament zu einer einjährigen "Hudna", einer besonderen Form des muslimischen Waffenstillstands, aufzurufen. Traditionell ist dies ein Schlichtungsinstrument zwischen verfeindeten Stämmen. Die Hudna bezeichnet eine Periode der Ruhe, während der ein Schlichter versucht, die Streitigkeiten beizulegen. Präsident Katsav ist ein Jude orientalischer Herkunft. Er weiß, dass die Hudna unter Muslimen als eine Frage der kollektiven Ehre angesehen wird - auch Dschihad und Hamas könnten schwer dagegen verstoßen. Die "Hudna" würde aber andererseits auch Israel verpflichten, auf militärische Aktionen für die Dauer der Schlichtung zu verzichten. Vielleicht hat Premier Scharon deswegen seinen Präsidenten zunächst zurückgepfiffen und ihm Naivität vorgeworfen. Richtig ist: Solch eine Maßnahme muss gut vorbereitet sein, weil man sie nur ein einziges Mal verwenden kann. Ob der Waffenstillstand am Ende auf Englisch "truce", auf Hebräisch "Schwitat Neschek" oder auf Arabisch "Hudna" heißt, das ist egal. Hauptsache, er kommt irgendwann.

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