Meinung : Vielen Dank für die Blumen

Die österreichische Präsidentenwahl war eine Niederlage für das Frauenbild der Volkspartei, nicht für die Frauen

Markus Huber

Auf den ersten Blick ist alles klar: Bei der Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten traten, erstmals im Land, ein Mann und eine Frau gegeneinander an. Am Ende siegte Heinz Fischer mit deutlichem Vorsprung von 200 000 Stimmen. Der Mann hat gewonnen, die Frauen insgesamt verloren, weil es Außenministerin Benita Ferrero-Waldner nicht geschafft hat, als erste Frau zur Staatspräsidentin aufzusteigen. Zwei Stunden nach der Präsentation des Ergebnisses setzte sich deswegen die Unterrichtsministerin, eine Grundschullehrerin im pensionsfähigen Alter und Parteigängerin der Außenministerin, ins staatliche Fernsehen und erklärte wehmütig, dass der Wahltag ein schwarzer Tag für die österreichische Frauenbewegung gewesen sei. Tatsächlich hat in diesem Wahlkampf die Frauenfrage eine wichtige, vielleicht sogar die entscheidende Rolle gespielt – aber ganz anders.

Die Außenministerin hatte ihr Geschlecht als zentrales Thema in den Vordergrund gestellt. Dabei wurde in Kauf genommen, dass die besonders traditionellen Wähler der konservativen ÖVP Ferrero-Waldner ablehnen. Das Überlaufen liberaler, urban geprägter Frauen von der SPÖ sollte diese Verluste mehr als kompensieren. Von dieser Rechnung ging nur der erste Teil auf: In den ÖVP-dominierten westlichen Bundesländern war die Wahlbeteiligung extrem niedrig; in den agrarisch geprägten Regionen in Ober- und Niederösterreich liefen die ÖVP-Stammwähler zum SPÖ-Kandidaten über. Im Austausch dafür gab es aber nur wenige Frauen-Stimmen aus den Städten. Denn dort wird Ferrero-Waldner nicht als Bannerträgerin eines modernen, selbstbewussten Frauenbildes gesehen.

Im Wahlkampf war immer wieder zu spüren, dass Ferrero-Waldner nur eine Rolle spielte, die ihr von ihren Wahlkampfmanagern – im Übrigen allesamt männlich – übergestülpt worden ist. Dazu gehörte die stets wiederkehrende Formel, dass sie zwar selbstbewusst, aber sicher keine Emanze wäre. Welche wirklich selbstbewusste Frau muss das beinahe täglich betonen? Welche will das täglich hören? Was viele Wählerinnen schon im Wahlkampf spürten, wurde am Wahlabend ganz offensichtlich. Kurz nach den ersten Hochrechnungen attestierte Ferrero-Waldners Wahlkampfmanager seiner Kandidatin vor den TV-Kameras, dass sie „brav gekämpft hat“. Und nach der Bekanntgabe des Endergebnisses überreichte Parteichef Wolfgang Schüssel seiner Kandidatin einen Strauß Blumen mit den Worten: „Liebe Benita, du warst tapfer. Von dir können wir viel lernen.“

Wäre diese Gestik und Wortwahl bei deutschen Spitzenpolitikerinnen wie Heide Simonis denkbar? Kein CDU-Generalsekretär könnte Angela Merkel heute nach einer Wahl noch einen „braven“ Einsatz attestieren. Die Zeiten, in denen sie als „das Mädchen“ behandelt werden konnte, sind längst vorbei. Ferrero-Waldner hingegen, das war der Eindruck der weiblichen Wähler in Österreich, gefiel sich in einer Mädchen-Rolle. An dieser offenen Flanke setzte der Wahlkampf ihres siegreichen Gegners Heinz Fischer an. Ihm stand das unabhängige Personenkomitee „Frauen für Fischer“ zur Seite. Darin waren nicht nur die Frauenrechtlerinnen der Sozialdemokratie vertreten.

Für Fischer warben auch Frauen wie Freda Meissner-Blau, die als erste Parteichefin die Grünen in den Achtzigerjahren ins Parlament brachte – und Heide Schmidt, vormals Vorsitzende des Liberalen Forums, die in den neunziger Jahren die erste Bürgerliche war, die das Bild einer selbstbewussten Politikerin in Österreich prägte. Sie alle traten für Fischer ein, und zwar nicht nur wegen seiner Politik – sondern auch als Ablehnung der Inszenierung seiner Gegenkandidatin. Dass Ferrero-Waldner nicht Präsidentin wurde, ist keine Niederlage für die Frauen. Es ist eine Niederlage für das Frauenbild der Volkspartei.

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