Vier Fragen an Josef Joffe : "Das wird für Assange nicht gut ausgehen"

"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe über den neuen Staatsfeind der USA, Julian Assange, und die Vorteile der Fußball-WM in Katar. Was macht die Welt?

Die Webseite von Wikileaks musste am Wochenende mehrfach umziehen.
Die Webseite von Wikileaks musste am Wochenende mehrfach umziehen.Foto: Reuters

Wikileaks und die USA: Hat Julian Assange Osama Bin Laden als Staatsfeind Nr. 1 abgelöst?

Wir wollen die Komplimente nicht übertreiben. Aber grundsätzlich ähneln sich die beiden als Meister der asymmetrischen Kriegsführung im 21. Jahrhundert: mit weniger und billiger mehr und teueren Schaden erzeugen. Dabei ist Assange schon einen Dreh weiter bei der Wahl der Waffen. Nicht TNT (hundert Jahre alt), sondern Cyberkrieg. Das Problem: Den beherrschen (manche) Regierungen noch besser – siehe den Wurm Stuxnet, den die Israelis oder Amerikaner in die iranische Anreicherung eingeschleust haben. Der hat dort mehr Schaden angerichtet als ein paar Bomben, die womöglich die dicke Schutzdecke nicht hätten durchschlagen können. Ein Mann gegen den Rest der (Staaten-) Welt – das wird für Assange nicht gut ausgehen.

Heute beginnen die Verhandlungen mit dem Iran. Was kommt dabei raus?

Nichts. Oder so viel wie im letzten Herbst. Erst eine Konzession (Teil-Anreicherung im Ausland), dann: Haben wir nie zugesagt. In diesem Spiel geht es nicht um eine Lösung, sondern um Symbolik. Da versammeln sich die Großen der Welt – die fünf UN-Vetomächte plus D – und geben Achmadinedschad die Ehre. Dabei sein ist alles für ihn, die Bombe aber auch. Und deshalb wird es keine Konzessionen von Bedeutung geben. Allerdings muss er sich vorsehen: „Außer Spesen nix gewesen“ legitimiert die nächste Runde von (schmerzhafteren) Sanktionen.

Die Fußball-WM geht nach Katar. Eine Geste an die arabische Welt?

Findet Barack Obama nicht, obwohl der sich seit zwei Jahren größte Mühe macht, die arabisch-islamische Welt zu umgarnen: „Ich meine, das war die falsche Entscheidung.“ Es gelten immer zwei Einsichten, um eine so bizarre Wahl zu verstehen: „Cherchez la femme“ (was in Katar nicht läuft) oder „Follow the money“. Katar hat es und wird viel davon aufwenden. Der Emir wird drei Stadien renovieren und neun neue bauen, alle klimatisiert, um die Temperatur von 50 auf 27 Grad zu senken. Es wird wohl auch anderes Geld geflossen sein. Aber: Das winzige Katar hat einen Riesenvorteil. Statt von Bochum nach Berlin und München fliegen zu müssen, bleiben die Fans in einem 40-km-Radius. SUVs und Karawanen reichen aus.

Ein Wort zu Amerika …

Die Schicksalsfrage lautet „Jobs“, und hier sieht’s nach den guten Oktoberzahlen im November wieder duster aus. Gerade mal 39 000 Jobs sind entstanden, nicht genug, um den 125 000 Neuzugängen pro Monat Arbeit zu verschaffen. Die Arbeitslosigkeit ist auf 9,8 Prozent geklettert. Allerdings steigt der Konsum, und die Industrieproduktion wächst seit 16 Monaten. Wenn der Kongress 2011 das Giga-Defizit staucht, werden auch die Jobs wieder wachsen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University.

Die Fragen stellte Moritz Schuller.

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