Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Euro-Verträge brechen, den Hammer zeigen und die Riesen päppeln.

von
Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Proteste nach Ferguson-Urteil: Wie rassistisch ist Amerika?

Mit einem schwarzen Präsidenten? Wer sich die Mühe macht, die Akten im Falle des erschossenen Michael Brown durchzulesen, wird nicht unbedingt von der Schuld des Polizisten Darren Wilson überzeugt sein. Die Anklage-Jury hatte jedenfalls entschieden, dass die Beweise für einen Prozess nicht ausreichten. Hätte sie den Mann vom Schlitten werfen sollen, um die Wölfe zu besänftigen? Ein Akt politischer Justiz wäre kein Glanzstück für den liberalen Rechtsstaat. Rache und Recht vertragen sich nicht. Und eine Tragödie ist noch nicht Rassismus. Vielleicht hilft es der Wahrheitsfindung, wenn alle Polizisten demnächst mit "Body Cameras" ausgerüstet werden, die bei einem Einsatz automatisch anspringen.

Juncker schont Frankreich und Italien: Gnade vor Recht?

Nein, sondern Bruch der Euro-Verträge. Die Währung kann nicht funktionieren, wenn jeder Staat nach Gutdünken über seine Verhältnisse lebt und mehr Schulden macht, als er darf (drei Prozent vom BIP). Überdies ist Juncker töricht, verlängert doch sein Rezept die Krankheit. Je mehr Paris und Rom auf Pump leben können, desto weniger müssen sie die bitteren Reformen anpacken, die ihre Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen würden. Merkels Instinkte waren richtig, als sie Juncker als Kommissionschef abzuwehren versuchte.

Putin unterstützt Le Pen. Wie rechtsextrem ist der Putinismus?

Der Mann ist nicht rechtsextrem, sondern ein begnadeter Machtpolitiker, dem Obama, Merkel und Co. nicht das Wasser reichen können. Er denkt sich täglich Neues aus, um den Westen vorzuführen. Er stützt Le Pen, um Hollande zu schwächen. Er kungelt mit den hiesigen Linken und Rechten, um Merkel den Hammer zu zeigen. Er schickt eine Flottille in den Ärmelkanal, um die Nato einzuschüchtern. Alles aber unterhalb der Provokation, die eine militärische Antwort auslösen könnte. Die Wette geht schon wieder auf. Steinmeier fordert, Russland nicht wirtschaftlich niederzuringen; also keine weiteren Sanktionen. Auch wenn russische Froschmänner in der Spree planschen?

Ein letztes Wort zu Google...

Das EU-Parlament will den Riesen zerschlagen. Das kann dieser Zwerg nicht. Er sollte lieber ergründen, warum Europa kein Google auf die Beine kriegt. Überdies verstehen die Frustrierten den Markt nicht. Hier sind Monopole nie von Dauer: Nach Google kam Facebook. Marktbarrieren sind anders als bei den klassischen Industrien sehr niedrig; die Technologie senkt andauernd den Daumen über das Alte. Der Staat sollte die Riesen, die vom User freiwillig gepäppelt werden, nicht fällen, sondern ihr Verhalten regulieren, indem er ihre Freiheit beschneidet, Privatdaten nach Lust und Laune zu nutzen und verkaufen.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit". Die Fragen stellte Moritz Schuller.

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