Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Vier Fragen über die Welt - beantwortet von "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe. Der ist in Sorge über die deutsche Parteienlandschaft und gegen ein Protektorat in Libyen.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Wann schickt die Nato endlich Bodentruppen, um in Libyen zu gewinnen?

Sollte sie nicht, obwohl sie just diese schiefe Bahn mit dem Flugverbot betreten hat. Da Flugverbote keine Kriege gewinnen, geht’s erfahrungsgemäß immer weiter: Angriffe auf Gaddafis Bodentruppen, Ausrüstung für die Rebellen, Ausbilder … Nur gibt es keine rein humanitären Konflikte. Dahinter lauert immer der innere Machtkampf, ja der Bürgerkrieg. Wer den einen zum Sieg verhilft, muss die Verlierer vor dem Rachefeldzug der Gewinner schützen. Setzt sich der Osten gegen den Gaddafi-Westen durch, wird die Nato dann gegen die neuen Machthaber kämpfen, um ein zweites Blutbad zu verhindern? Letztendlich müsste die Nato ein Protektorat errichten und sehr lange bleiben. Das wird sie nicht tun.

Griechenland, Irland, Portugal: Kann die EU auch eine Pleite Spaniens verkraften?

Ein sowjetischer Witzbold sagte einst mit Blick aufs Proletariat: „Wir tun so, als bezahlten wir sie, und die tun so, als arbeiteten sie.“ Ähnlich mit der Euro- Union: Wir tun so, als hülfen wir den Schuldnerländern, aber in Wahrheit helfen wir unseren eigenen Banken. Und die Empfänger tun so, als brächten sie ihren Haushalt in Ordnung, was aber Demokratien nicht können. Ergo fallen die Regierungen. Bei den kleinen PIG-Ländern können wir es schaffen, bei Spanien nicht. Bricht dieser Damm, zerbricht auch der Euro – genauso, wie es die Skeptiker vor 15 Jahren vorausgesagt haben. Eine Währungs- ohne Politikunion kann nicht funktionieren.

Rot-Grün-Rot liegt laut Umfragen bei knapp 60 Prozent. Wie kann Merkel 2013 noch gewinnen?

Die Antwort ist nur scheinbar klar. Wir haben jetzt ein Fünf-Parteien-System, und sie alle tummeln sich links: die Traditions-Sozen SPD, die Neo-Sozialdemokraten CDU/CSU, die Paleo- Linke, die Grünen und die gewendete FDP, die gegen Atom und Steuersenkung ist. Da kann also jeder mit jedem (irgendwann auch mit der Linken), und da die Union (fürs Erste) die größte Fraktion stellen wird, kann Merkel zwischen Rot und Grün wählen. Denn es ist nicht ausgemacht, dass es unbedingt Rot-Grün sein wird. Die SPD, die schwächste unter den dreien, wird lieber der Union als den Grünen als Juniorpartner dienen wollen.

Ein Wort zum Außenminister …

Die „FAS“ beklagt die Häme-Attacken gegen Guido W. und notiert zu Recht, dass er das „schmale Meinungsspektrum Deutschlands erweitert hat“ – mit weniger Staat und weniger Steuern. Das war tapfer, aber ein Kampf gegen Windmühlen. Tapfer ist die neue, nach links paddelnde FDP nicht. Aber wird sie so ihren Niedergang abwenden? Sie offeriert außer neuen Gesichtern nichts, was nicht bei Rotgrünschwarz schon so reichlich im Angebot ist.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Die Fragen stellte Moritz Schuller

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