Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Sie erinnert an das Duell Strauß vs. Schmidt, beschneidet die Beschneidungsdebatte und vergrößert die deutsche Außen-Welle zum Meer

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Der israelische Premier will eine „rote Linie“ für die Atomverhandlungen mit Iran. Wo soll die verlaufen?

Wo er sie auf der UN-Generalversammlung mit seinem Filzstift gezogen hat: Wenn Iran Uran auf 90-plus Prozent anreichert. Das ist der Stoff, der nur zum Bombenbau gebraucht wird. Brennstäbe erfordern bloß 3,5 Prozent, Iran schafft bereits 20. Nur, der Weg verläuft nicht linear. Es geht schneller von 20 auf 90 als von null auf KKW-Qualität. Wie weit die Chameinisten sind, weiß WmdW nicht, aber er weiß, wie flexibel „rote Linien“ sind. Merkel hat so manche aufgegeben, um den Euro durch endlose Geldgeschenke an die Krisenstaaten zu retten. Iran baut im Grunde schon seit Schahs Zeiten an einer Bombenoption. Und die Iraner wissen, dass es seit ca. zwölf Jahren nicht zum Schwur kommt. Also werden sie weiterbauen.

Steinbrück soll SPD-Kanzlerkandidat werden. Was kann er besser als Merkel?

Zähne blecken. Finanzwirtschaft. Banken zerschlagen. BVB (Dortmund) retten, wo er im Aufsichtsrat sitzt. Sarkasmus (Ironie kann Merkel auch). Dozieren. Auf den Punkt kommen. Den Eindruck vermitteln, wo es langgeht. Wenn gut gelaunt, die Leute zum Lachen bringen (kann M. auch, aber nur im berühmten „kleinen Kreis“). Steinbrück ist das Maschinengewehr, Merkel die Judoka, die schon manchen Heavy zu Fall gebracht hat. Theoretisch kann das der interessanteste Wahlkampf seit Strauß vs. Schmidt 1980 werden. Der eine so machtbewusst wie die andere, aber grundverschieden im Stil. Das MG muss bloß etwas liebenswürdiger werden. Das schätzt der Deutsche genauso wie den autoritären/autoritativen Auftritt.

Die Justizministerin hat einen Gesetzentwurf zur Beschneidung vorgelegt. Sind jetzt alle Probleme bereinigt?

Zumindest beschnitten. Juden und Muslime müssen nicht mehr in die Katakomben oder ins Ausland. Rituelle Beschneider müssen nicht Hartz IV beantragen. Aber die Probleme sind gigantisch. Wenn das ärztlich-fachmännisch getan werden muss, kommt dann die AOK dafür auf? Werden Linke und Grüne, die gegen den Entwurf poltern, einen BBB fordern, einen Bundesbeschneidungsbeauftragten, der die Babys in Bezug auf „körperliche Unversehrtheit“ interviewt? WmdW hat ein Opfer des Vorhautverlustes gefragt, ob es traumatisch gewesen sei. Antwort: „Und wie. Ich konnte ein Jahr lang nicht laufen und zwei Jahre lang nicht sprechen.“

Ein Wort zum Außenminister …

Im UN-Sicherheitsrat wurde Guido W. von der Englisch-Übersetzerin als „President Geido Westermeer“ vorgestellt. Das ist kein Affront, sondern eine Auszeichnung. Aus dem „Außenminister“ wurde ein „Präsident“, aus der lahmen „Welle“ ein ganzes „Meer“. Das zeigt die Achtung, die W. in der Welt genießt.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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