Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Augenwischerei betreiben, Deutschland mit Bayern verwechseln ("Beer an Oktoberfest"!) und Sanssouci abkupfern.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Nach Obamas Rede: Ist nun bald Schluss mit Drohnen und Guantanamo?

Die Drohnen werden weiterfliegen, und „Gitmo“ zu schließen, wird nicht einfach sein. Richtig aber ist seine Entscheidung, der CIA die Drohnen wegzunehmen; ein Nachrichtendienst sollte sammeln und auswerten, nicht auch Krieg im Dunklen führen. Zu wenig beachtet in den deutschen Medien wurde ein Schlüsselsatz zum Anti-Terror-Kampf: „Wie alle Kriege, muss auch dieser Krieg beendet werden.“ Das war Augenwischerei oder Träumerei. Amerika kann diesen Krieg nicht beenden, weil der Terror nicht enden wird. Denn: Eine so billige und effektive Waffe ist eine ewige Versuchung. Die Zarnajew-Brüder haben für den Preis eines iPad mini ein Massaker anrichten und eine Großstadt lähmen können. Es gibt keinen besseren Weg, um mit einer Handvoll Dollar weltberüchtigt zu werden.

Laut der „BBC“ ist Deutschland das beliebteste Land der Welt. Wie erklären Sie sich das?

Na, weil die Deutschen so lieb sind, also ganz anders als die Germanen unter Wilhelm Zwo und Adolf H. Der „Verlorene Sohn“, der reuevoll zurückkommt, kriegt immer Extrapunkte, wie schon die Bibel berichtet. Zweitens, weil die Deutschen die tollsten Autos bauen, die trotz überhöhter Preise rund um die Welt wie geschnitten Brot weggehen. Drittens, weil sie gelernt haben, sehr vorsichtig mit ihrer Macht umzugehen. Viertens: „Beer and Oktoberfest“, was etwas schief ist, weil diese bayerische, keine gesamtdeutschen Errungenschaften sind. Überhaupt fällt den Völkern bei „Deutschland“ andauernd Bayern ein – nicht diese Bindestrich-Länder.

Chinas neuer Ministerpräsident zu Besuch in Berlin: Was will er von uns?

Nach seiner Ankunft wollte er sich das Spiel Bayern – Dortmund ansehen, um deren Tricks für das Team „Drachen Peking“ zu kopieren. Ansonsten macht er beim ersten Auslandsbesuch einem Land die Aufwartung, das die Chinesen als mächtigstes in Europa sehen – klassische Realpolitik, um Berlin gegen Tokio und Washington auszuspielen. Schließlich will Li beim Besuch Sanssouci abkupfern, weil der Alte Fritz vorgemacht hat, wie ein armes, rückständiges Preußen in kürzester Zeit zur Großmacht aufsteigen konnte.

Ein Wort zum Bayern-Sieg …

WmdW kennt kaum jemanden, der nicht Dortmund den Sieg gewünscht hätte. Der BVB gibt den Stoff her, aus dem man Romane macht: Der Verein war fast pleite, dann hat er sich zäh, diszipliniert und gewitzt aus dem Kohlenpott nach oben gearbeitet; die Bayern aber – reich und übermütig – standen schon immer in der Sonne, so, als sei der liebe Gott auf ihrer Seite. Der Wembley-Triumph ist nach 23 Mal deutscher Meister einfach einer zu viel. Und die CSU wird die Landtagswahl gewinnen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt zurzeit Politikwissenschaft an der Stanford University. Fragen: mos.

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