Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Welt trifft sich inzwischen am Pazifik, kriegt das Verteidigungsministerium nicht in den Griff und eröffnet circa 2021 eine Politikerschule.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Barack Obama trifft Xi Jinping. Ganz entspannt wollen sie über ihre Spannungen reden. Geht das?

China ist der Aufsteiger, Amerika die Nr. 1 – ein altes Muster. Im 19. Jahrhundert waren das Zweite Reich und USA mit ihrem märchenhaften Wachstum die Herausforderer; im 20. Japan, Hitler-Deutschland und die Sowjetunion, die einen „Platz an der Sonne“ oder die Weltherrschaft reklamierten. Weltkriege waren die Folge. Die sind im Falle Drache vs. Adler nicht wahrscheinlich, weil zwischen den beiden die Abschreckung viel besser funktioniert: erstens die atomare, zweitens die ökonomische. Wo würde China seine iPhones und Nikes los werden, die in Amerika entworfen und dort verkauft werden? Dennoch: Der Pazifik wird zur entscheidenden strategischen Arena des 21. Jahrhunderts – siehe Amerikas Hinwendung nach Asien.

Anhaltende Proteste in der Türkei. Richten sie sich nur gegen Erdogan?

Ja, und nicht nur, weil der Mann von der IRT, der Islamischen Republik Türkei träumt. Der Mann ist ein neuzeitlicher Sultan, der seit Amtsantritt die unabhängigen Machtzentren zu unterwerfen versucht – das Militär, die Medien, die Gerichte, jetzt die Bürger. Modernisierung und Alleinherrschaft gehen nicht zusammen. Der Taksim-Platz riecht nach Tahrir-Platz. Recep Tayyip Erdogan versucht jetzt zurückzuweichen, aber das wird die Protestler nur ermutigen. Die geordnete Machtübergabe wäre besser – was aber solchen Machtbesoffenen nie gelingt.

De Maizière und die Drohne. Wie gefährdet ist der Verteidigungsminister?

Die Dynamik des Skandals lässt sich nicht vorhersehen. Dahinter steht ein altes Problem, das so viele Verteidigungsminister das Amt gekostet hat. In der Euro-Hawk-Affäre beschuldigt Thomas de Maizière jetzt die „mangelnde Informationspolitik“ seines Hauses. Das „Haus“ aber hat viele BMVtg-Chefs auf dem Gewissen. Von 16 haben nur vier ein halbwegs geordnetes Ende ihrer Amtszeit erlebt. Wirklich in den Griff gekriegt hat das Ministerium nur Volker Rühe (CDU). Helmut Schmidt hatte Glück, weil er schon nach drei Jahren ins BuFinMin abwanderte. Angesichts dieser Schleudersitz-Geschichte geht ein geradliniger, anständiger Kerl wie de Maizière einen schweren Weg.

Ein Wort zur Kanzlerin …

Wenn Angela Merkel irgendwann (ca. 2021) nicht mehr Deutschland-Chefin ist, sollte sie eine Schule für Politiker aufmachen. Dort lernen Leute wie Thomas de Maizière, KTG, Franz Josef Jung, ihr früherer Umweltminister (WmdW weiß den Namen leider nicht mehr), Roland Koch, Christian Wulff, Friedrich Merz …, wie man Macht gewinnt und sie gegen jedweden politischen Rivalen bewahrt. Auf dem Lehrplan stehen Timing, Gespür für Fallstricke und Zusammenrottungen, populistisches Wellenreiten, Wahlgeschenke, fein dosierte Freundschaften.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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