Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Welt biedert sich bei den Deutschen an, gibt den Zaren, und macht als Verbrecher inzwischen einen Bogen um den Psychotherapeuten.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Barack Obama in Berlin: War der Besuch ein Erfolg?

Im Vergleich zu welchen anderen Groß-Begegnungen, zum Beispiel mit Erdogan und Putin? Dagegen war das O-M-Treffen eitel Sonnenschein. Doch hat Obama JFKs „Ish bin eyn Bearliener“ nicht toppen können. Der Spruch „Angela und ich sehen nicht gerade aus wie frühere deutsche und amerikanische Regierungschefs“ war weniger Witz als Anbiederung an den korrekten Komment. Zurück zur Arbeitsebene, wo Großes wartet: der atlantische Freihandel. Hier ist beste Diplomatie gefragt: Frankreich will wieder mal den eigenen Kino- und TV-Markt schützen, die EU sich selber vor der Agrarrevolution namens „Gentechnik“. Nicht vergessen: Der Handel ist je 650 Milliarden Dollar wert, mehr als EU-China. Die Europäer könnten eine Viertelbillion mehr pro Jahr verkaufen, wenn’s klappt.

Angela Merkel in St. Petersburg: Was ist los mit Putin?

Nichts Neues. Der Mann steht in der Tradition der Zaren, die statt Modernisierung Autoritäres geliefert haben. Aber neu ist der Auftritt der Kanzlerin, die ein direktes Wort zur Beutekunst gesprochen hat. (Die West-Alliierten haben fast alles retourniert, und die Deutschen geben noch 70 Jahre später zurück, was die Nazis geklaut haben.) Der Total-Eklat wurde zwar vermieden, aber es war ein nützliches Signal an einen Potentaten, der sowohl zu Hause als auch in der Welt (Syrien) keine konstruktive Rolle spielt.

Angela Merkel und Ankara: Was ist los mit Erdogan?

Ebenfalls nichts Neues. Erdogan, der „gute“ Islamist, tritt zwar in der Außenpolitik nicht mehr ganz so imperial auf, schlägt aber umso heftiger daheim zu. Auch hier ein Stilwandel der deutschen Politik: ein deutliches Nein zu Beitrittsverhandlungen mit einem Regime, das seine demokratische Tünche verliert. Auch Payback für Erdogans frühere Einmischungen in die deutsche Innenpolitik ist im Spiel. Diese Art von Dezidiertheit ist neu in Berlin, aber nicht falsch: ein gutes Signal für die demokratischen Kräfte in der Türkei.

Ein Wort zu James Gandolfini …

… muss hier sein, weil dieser gerade verstorbene Star der „Sopranos“, wie Andrian Kreye in der „SZ“ richtig vermerkt, a) das Fernsehen revolutionierte und b) in einer Zeit aufstieg, als die „Bürschchen die Macht übernahmen“ – Sergey Brin und Mark Zuckerberg in der Wirtschaft, Tom Cruise, Brad Pitt und Leonardo DiCaprio im Film. Als TV-Mafia- Chef war der Mann sowohl cool als auch sensibel. Wie die Großen von gestern: Gary Cooper und John Wayne, aber nicht so pathologisch wie Edward G. Robinson und James Cagney. Den Niedergang der „Ehrenwerten“ aber konnte er nicht aufhalten. Die großen Verbrecher tragen jetzt russische und ostasiatische Namen. Die gehen nicht wie Gandolfini zum Psychotherapeuten.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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