Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Welt schmiedet absurde Koalitionen in Nahost, präsentiert sich wie ein rötlich eingefärbter Ludwig XVI. und trauert Westerwelle nach

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Merkel muss mit SPD oder Grünen regieren. Was ist besser fürs Land?

Eine SPD ohne Steinbrück, der gerade hingeschmissen hat? Die Grünen, wo eine ganze Führungsgeneration abserviert wird? Gut wären die Grünen, wenn sie ihre Volkspädagogik sowie ihre Steuerfantasien abschütteln könnten. Gut wäre auch eine SPD, deren Noch-Führung den alten Mumm hätte, statt sich zitternd hinter einer Mitgliederbefragung zur großen Koalition zu verstecken. Beide Parteien geben zurzeit keinen Partner ab. Merkel hätte besser die braven Liberalen nicht herzlos untergehen lassen. Aber bis zum 22. Oktober, an dem der neue Bundestag zusammentritt, ist noch ein wenig Zeit. Carpe diem, sagt der Lateiner.

UN-Resolution zu Syrien: Ohne Erwähnung von Assads Giftgasangriffen und ohne Sanktionen. Trotzdem starke Geste?

Nein. Aber unter der Hand zeichnet sich eine neue Lage ab. Die Islamisten unter der Führung diverser Qaida-Ableger scheinen sich unter den Rebellen durchzusetzen. Sie werden Obama und Putin zusammenrücken lassen. Denn beide fürchten die Islamisten wie der „Scheitan“ (arab. Satan) den Koran. Da der Zynismus in Nahost keine Grenzen kennt, entsteht ein Szenario von nicht zu toppender Absurdität: USA und Russland, mit Israel und den arabischen Potentaten als stille Teilhaber, retten das Assad-Regime, das kleinere Übel.

Frankreich will sparen und Steuern erhöhen. Ist das Land auf einem guten Weg?

Was soll der arme Kerl machen? Außer zu lavieren zwischen Defizitverringerung, um die EU ruhigzustellen, und der hohen Staatsquote, die seine Klientel, vorweg die Gewerkschaften, davon abhält, die Bastille zu stürmen. Noch nie in 20 Jahren stand ein Präsident so schlecht in den Umfragen da. Das Land wird an höheren Steuern nicht genesen. Es muss seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen, und die erfordert schmerzhafte Arbeitsmarkt- und Sozialhilfereformen, die Hollande nicht einmal andenkt. Er wirkt wie ein rötlich eingefärbter Ludwig XVI., der letzte König des Ancien Régime. Und Angela I., die Chefin des einstigen Erzfeindes, hat in Frankreich keinen Partner mehr.

Ein Wort zum Außenminister …

WmdW trauert um Guido W., war doch seine Außenpolitik, genauer: seine Rhetorik, die eine Außenpolitik ersetzen musste, immer ein blühender Garten voller wohlklingender Worthülsen, die niemanden ärgern konnten. Der Journaille, die sich gern als Sprach- und Denkpfleger aufführt und sowieso alles besser weiß, bot das Gehege der Gemeinplätze ein weites Feld. Wir werden Guido W. vermissen. Wenn ihm Steinmeier ins AA nachfolgt, haben die Medien nichts mehr zu lachen. Bei so viel Seriosität muss auch WmdW seriös bleiben. Oder wir kippen die „Ein Wort zum …“-Frage.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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