Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Welt hält am „Großen Satan“ fest, verschiebt alles auf morgen und macht eine gute Figur bei den allfälligen Fototerminen

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Der Iran gibt sich konziliant. Naht ein Ende des Konflikts?

Einst waren Amerika, Iran, Israel und die Türkei natürliche Verbündete – gegen die arabischen Staaten, die mit der Sowjetunion paktierten oder die regionale Vorherrschaft anstrebten. Der Islamismus, der mit Chomeini im Iran triumphierte und sich unter Erdogan in der Türkei ausbreitet, hat diese Logik ausgehebelt: Ideologie schlägt Realpolitik. In diesem Sinne wird der Konflikt zwischen dem Iran und dem „Großen Satan“ weiter schwelen. Teheran wird sein Atomwaffenprogramm nicht aufgeben, wohl aber versuchen, die Isolierung zu durchbrechen. Möglich, dass der Iran den letzten Schritt – die Anreicherung auf waffenfähiges Uran – nicht geht. Aber es wird alles andere behalten, was man sonst noch für die Bombe braucht. Und den USA weiter das Leben schwer machen – in Syrien, im Irak und im Golf.

Der Leitzins in Europa auf Rekordtief: Ist Gratis-Geld gutes Geld?

Wenn denn das billige Geld endlich das Wachstum befeuern würde! Offensichtlich macht Geld doch nicht glücklich. Um der Stagnation und der hohen Arbeitslosigkeit (elf Prozent) in der Euro-Zone zu entkommen, müssten die Krisenländer schmerzhafte Reformen anpacken, die Italien, Frankreich, Spanien nicht schaffen. Schlimmer: Billiges Geld erleichtert das Schuldenmachen, mithin die Finanzierung eines untragbaren Status quo. Wenn ich mir Geld zu günstigen Zinsen besorgen kann, muss ich meinen Lebenswandel erst einmal nicht ändern. Morgen sehen wir weiter.

Wer steckt tiefer in der Krise, Frankreich oder Präsident Hollande?

Beide. Hollande ist kein de Gaulle, nicht einmal ein Mitterrand. Der legte nach seiner Wahl 1981 ein dogmatisches sozialistisches Programm auf: Verstaatlichung, Mindestlöhne, Rentenanhebung … Zwei Jahre später erntete er hohe Arbeitslosigkeit, Inflation und Kapitalflucht. Also schraubte er seine Ambitionen zurück, und Mitte der Achtziger war Frankreich wieder auf Wachstumskurs. Sein damaliger Adlatus Hollande bringt die Kraft zum Umschwung nicht auf. Er wird in der nächsten Wahl der Nationalversammlung (turnusgemäß 2017) schreckliche Verluste erleiden. Bis dahin wird sich in Frankreich nicht viel ändern.

Ein Wort zum/zur (nächsten) deutschen Außenminister/-in …

In progressiven Blättern wird derzeit von der Leyen gehypt. Eine gute Idee. Sie lächelt viel besser als Westerwelle und weiß so wenig von der Außenpolitik wie der bei seinem Amtsantritt. Sie redet gern, sagt nicht viel und macht eine gute Figur bei den allfälligen Fototerminen. Das wird alle beruhigen, die die Macht Deutschlands fürchten. Und so lange von der Leyen durch die Welt jettet, muss auch Merkel die letzte Rivalin in ihrer Partei nicht mehr fürchten.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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