Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Welt geht über 15 Runden, macht Stalin, Hitler und Mao neidisch und besetzt das falsche Außenministerium

Josef Joffe
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"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Witali Klitschko kämpft in Kiew. Wie viele Runden steht er durch?

Der Champion Viktor Janukowitsch ist ein raffinierter Machtpolitiker. In der jüngsten Runde hat er versucht, die Massenprotestler zu beschwichtigen, indem er der EU doch wieder die Assoziierung verspricht. Aber gleichzeitig will er ein fettes Preisgeld haben. Dieses Match ist größer als ein Zweikampf Klitschko vs. Janukowitsch. Die wirklichen Heavies sind drei: Putin, die EU und das aufgebrachte Volk. Dieser Kampf, in dem es nicht nur um Demokratie, sondern um klassische Geopolitik geht, wird wie ein echter Profi-Boxkampf die ganzen 15 Runden dauern.

In Nordkorea wird der angeheiratete Onkel des „Obersten Führers“ umgebracht. Warum?

Siehe Macbeth und Hamlet; Verwandtschaft schützt vor Mord nicht, wenn es um die ganze Macht im Staate geht. Die blitzschnelle Hinrichtung von Jang Song Thaek lässt nur eine halbwegs gesicherte Spekulation zu. Kim Jong Un, der dritte in dieser Diktatoren-Dynastie, sitzt trotz seiner Jugend fest im Sattel; sonst hätte er die „graue Eminenz“ nicht so rasch umbringen können. Und muss sich nicht um die Feinheiten des Totalitarismus kümmern. Killer wie Stalin und Hitler haben immerhin Schauprozesse veranstaltet, um ihre Feinde zu liquidieren. Die hat der kleine Un offensichtlich nicht nötig. Stalin, Hitler und Mao müssen richtig neidisch sein.

Der Republikaner Paul Ryan handelt in den USA einen Haushaltskompromiss mit aus. Ist er der nächste Präsident?

Ein Tor, wer drei Jahre vor den nächsten Wahlen den Kandidaten, geschweige denn den Sieger voraussagen wollte. Aber Paul Ryan steht jetzt mit in der ersten Reihe. Gleich neben ihm steht Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey, der in einem tiefblauen Staat („blau“ sind die Demokraten, „rot“ die Republikaner) einen Traumsieg eingefahren hat. Sein größtes Handicap – ein gewaltiges Übergewicht – hat er bereits per Magenverkleinerung gedrückt. Der Sieger wird einer wie Christie sein: der die Republikaner zurück in die Mitte führt, wo überall in der Welt Wahlen gewonnen werden. Wir sprechen uns wieder, wenn 2016 die Vorwahlen beginnen.

Ein Wort zum nächsten Außenminister …

Zurück in die Zukunft mit Frank-Walter Steinmeier, der es schon in der GroKo I war, was sich recht gemütlich anfühlt. Sein Vorgänger Guido W. hat nicht viel beschickt; da ist die Außenpolitik noch fester im Kanzleramt verankert worden, als sie es ohnehin überall in der Welt ist, ob in der demokratischen oder autoritären. In einem Land, das wie Deutschland den strategischen Auftritt scheut, ist das beste Außen- das Finanzministerium. Wenn Berlin punkten kann, dann mit seiner Wirtschaftskraft, zumal in der EU. FWS ist Kontinuität – nicht zu verachten in turbulenten Zeiten.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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