Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Welt provoziert statt zu räsonieren, verklagt Barack Obama und ärgert den Nachbarn im Kino mit Rascheln

Josef Joffe
Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Martin Schulz in Israel: ein einsamer Rufer in der Wüste?

Eher einer, der die Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie aus dem Effeff beherrscht. Die erste heißt: Auffallen! Man wird den Leuten doch mal richtig die Meinung sagen dürfen. Aber wenn, mit gesicherten Daten, nicht mit Parolen der Palästinenser über mangelnde Wasserbesorgung. Wem die Ehre einer Rede vor der Knesset gewährt wird, möge selber Respekt bezeugen – und die belehrenden/bekehrenden Worte anderswo loswerden. Schulz aber liebt den Krach. Da er Präsident der EU-Kommission werden will, sollte er etwas Diplomatie lernen. Räsonieren ist weiser als provozieren.

Amerikas Konservative verklagen wegen der NSA-Affäre Obama: verkehrte Welt?

Ein guter Konservativer wird immer dem Staat misstrauen. Erst recht ein Libertärer wie Rand Paul, der den Präsidenten wegen der globalen NSA-Überwachung, inklusive 320 Millionen Amerikaner, verklagt. Doch klagt hier keine reine Seele. Für Paul ist dieser Schachzug auch eine feine Gelegenheit, sich gegen Obama zu profilieren. Wenn die Republikaner diesen Außenseiter tatsächlich küren, heißt der nächste Präsident Hillary Clinton.

Die EU erlaubt Gen-Mais. Essen Sie künftig noch Popcorn?

Würg, aber das hat nichts mit Genmais, sondern mit diesen fettigen, übelriechenden Flocken zu tun. Eigentlich dürften wir uns nur noch von Gräsern und anderem Wildwuchs ernähren. Denn alles, was der sesshafte Mensch seit 12 000 Jahren aus Furchen, Plantagen und Ställen bezieht, ist „genmanipuliert“. Bloß hieß das früher „gezüchtet“ oder „gepfropft“, wiewohl es auf „händische“ Weise geschah. Gen-Popcorn ist nur insofern gefährlich, als es den Nachbarn im Kino reizt, der sich zu Recht über die Raschelgeräusche ärgert.

Ein letztes Wort zur GroKo …

Die knirscht unter der Edathy-Posse, die sich zum Justizskandal ausweiten könnte. Am Beginn standen Bilder, die keine sexuellen Handlungen „von, an und vor Kindern“ zeigen und so den Straftatbestand des § 184 b erfüllen. Ergo kein Anfangsverdacht, der Ermittlungen legitimierte. Auch kein Grund zum Weitertratschen und für die wohl ungesetzliche Durchsuchung, der Edathy mit der angeblichen Beweismittel-Vernichtung zuvorkommen wollte. Schließlich der Rücktritt des Ministers Friedrich (unter Merkel-Druck). Die Staatsanwaltschaft hat hier viel zu erklären. WmdW rät, Bilder von spärlich oder gar nicht bekleideten Kindern aus dem PC zu löschen, egal, ob von den eigenen, denen von Verwandten oder von Freunden. Denn was kriminell ist, bestimmt nicht das StGb, sondern der Zeitgeist. Das war das vorvorvorletzte Wort zur Affäre.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: Moritz Schuller

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