Vince Cable : "Ich kann die Atombombe zünden"

Wie Maggie, oder Tony, gehört „Vince“ zu den Politikern, für die den Briten der Vorname reicht. Ein Porträt des Nationalsymbols.

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Am Weihnachtstag wird der 67-Jährige in der Hit-Sendung „Strictly Come Dancing“ Pirouetten drehen. Die Briten lieben ihn wie man Großväter liebt und, weil keiner mit den Bankern so hart ins Gericht gehen will, wie er.

Nun ist der leidenschaftliche Tänzer bei einem eleganten Wechselschritt gestolpert: Zwei jugendfrische Journalistinnen des koalitionsfeindlichen „Daily Telegraph“ hatten sich als enttäuschte Liberaldemokraten ausgegeben und ihn in der Wahlkreissprechstunde besucht. Das Aufnahmegerät in der Tasche, machten sie sich die Eitelkeit des älteren Herren zunutze.

Es ist kein Geheimnis, dass dem Liberaldemokraten vom linken Flügel vieles an der Koalition mit den rechten Tories nicht passt. Als er jüngst, die Lesebrille auf der Nasenspitze, im Unterhaus die Studiengebühren verteidigte, während vor dem Parlament die Studenten Krawall machten, sah man am Kräuseln seiner Mundwinkel, wie widerlich ihm das alles war.

Auch jetzt machte er aus seinem Herzen keine Mördergrube. Die Reformen der Tories seien wie eine „maoistische Revolution“, alles gehe zu schnell und zu weit, die Liberaldemokraten stünden „im ständigen Kampf“ mit den Tories, um das Schlimmste zu verhindern.

Dann ließ er sich verführen, über die von Medienmogul Rupert Murdoch angestrebte Gesamtübernahme des Bezahl-TV-Konzerns BSkyB zu sprechen, deren Genehmigung in sein Ressort gehört: „Ich habe Murdoch den Krieg erklärt und werde ihn gewinnen.“ Dabei hatte er in Murdochs „Times“ noch eine „quasi richterliche Unparteilichkeit“ versprochen.

„Er hat allen Grund, sich zu entschuldigen“, schimpfte Premier David Cameron. Zu feuern wagte er ihn nicht. Nur die Akte Murdoch wurde Cable weggenommen. Vince versprach den Damen vom „Telegraph“, er werde „die Atombombe zünden“ und die Koalition platzen lassen, wenn die Tories zu weit gingen. Er weiß, dass er zur Einbindung der linken „Libdems“ in die Koalition unverzichtbar ist.

So bleibt Cable eben im Amt. Die Folgen: die Wut der Tories, dass Cameron dem Koalitionspartner so viel durchgehen lässt, ist weiter gewachsen, und Murdochs Übernahme von BSkyB ist noch wahrscheinlicher geworden; und die Wettbüros haben die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung 2011 scheitert, auf 20 Prozent heraufgesetzt. Matthias Thibaut

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