Meinung : Voll innerer Zerrissenheit

„Der Unbeschriebene“ vom 6. Juli

Homosexuelle Praktiken verstoßen „gegen die Schöpfungsordnung“, soll der designierte Berliner Erzbischof gesagt haben. Ob das seine Überzeugung ist oder ob er sich da seiner Kirche gebeugt hat, ist irrelevant. Wichtig ist, dass diese Aussage unterstellt, es gebe wirklich eine natürliche vernünftige „Ordnung“, das heißt, ein „Design“ des Kosmos, und, dass daraus verbindliche ethische Regeln folgen würden. Schon die erste Annahme widerspricht dem Stand von Philosophie und Wissenschaft und ist auch unter Theologen kontrovers. Spätestens seit Kant will man die Ordnung der Natur nur noch als Projektion der menschlichen Vernunft verstehen, welche die Welt nach ihren Regeln erfasst. Der Wiener Kardinal Schönborn stimmt dem in seinem Buch „Ziel oder Zufall“ zu und nennt den „methodischen Atheismus“, d.h. die Welterklärung ohne vorgegebene Ordnung, „saubere naturwissenschaftliche Methode“. Auch der Jesuit Teilhard de Chardin sieht, wie die materialistische Naturwissenschaft, den Kosmos als Resultat einer Selbstevolution der Materie. Mit welcher Zunge spricht also die Kirche von einer „Schöpfungsordnung“? Den Giordano Bruno, der diese Ordnung verkündete, verbrannte sie dafür im Jahre 1600 mitten in Rom auf dem Scheiterhaufen. Den Galilei, der im „Buch der Natur“ die Wahrheit Gottes suchte und fand, verurteilte sie 1633 zu Widerruf und lebenslanger Isolationshaft. Seine Naturphilosophie ist bis heute nicht rehabilitiert, sondern wird vom Vatikanischen Galilei-Experten Kardinal Brandmüller ausdrücklich verworfen – unisono mit der materialistisch-relativistischen Wissenschaft! – Dass allerdings eine wahre Schöpfungsordnung durch diese Naturphilosophie erkannt werden könnte, und wie daraus auch eine Moralphilosophie hervorginge, sagt Isaac Newton (1717): „And if Natural Philosophy in all its parts shall at length be perfected, the bounds of Moral Philosophy will also be enlarged. For so far as we can know by Natural Philosophy what is the First cause, what power he has over us, and what benefits we receive from him, so far our duty towards him, as well as that towards one another, will appear to us by the light of Nature.” Die Katholische Kirche ist von einem solchen Erkenntnisstand sozusagen himmelweit entfernt.

Ed Dellian, Berlin-Zehlendorf

Ich habe mich sehr über die umfangreiche Berichterstattung zur Bischofsernennung gefreut. Als Katholik in dieser Stadt erlebe ich selbst die eigene innere Zerrissenheit zwischen Loyalität und Unverständnis gegenüber der eigenen Kirche. Und ich erlebe natürlich auch das große Desinteresse und oftmals auch die aggressive Ablehnung in dieser Stadt. Herzlichen Dank dafür, dass es nicht zu einer „Randnotiz“ degradiert wurde!

Christian Bahlmann, Berlin

Ein erzkonservativer, zudem noch Opus- Dei-promovierter Meisner-Zögling wird Erzbischof ausgerechnet in Berlin - viel deutlicher kann der Vatikan nicht demonstrieren, was er von den innerkirchlichen Reformbewegungen hält! Das eigentliche Problem ist aber wohl nicht die Frauenordination oder die offizielle Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität, sondern die Tatsache, dass all dies in einer weitestgehend entchristlichten, säkularisierten Metropole wie Berlin den breiten „Mainstream“ schon längst gar nicht mehr interessierst.

Berlin ist nicht Köln, und schon gar nicht Bonn oder Kevelaer. Aber die Lage ist gar nicht mal neu: Paulus wurde einst „den Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche“ (1 Kor 9), um das Evangelium überzeugend vermitteln zu können – was aber natürlich nicht heißt, dass der Glaube inhaltlich auf das „Zeitgemäße“ zurechtgestutzt werden soll.

Nichts anderes gilt auch heute für Regionen wie Berlin, und das auch – und erst recht – für einen Berliner Bischof! Es bleibt zu wünschen, dass sich Herr Woelki diesbezüglich „freischwimmt“ und den richtigen Weg findet.

Gunther Britz, Langenfeld

Vor seiner ersten Pressekonferenz in Berlin scheint Herr Woelki ja jede Menge Kreide verspeist zu haben. Ob Nähe zu Opus Dei oder nicht, Tatsache ist, dass laut offizieller katholischer Lehre mehr als 90 Prozent aller Berliner einmal in der Hölle schmoren werden.

Herrn Woelkis stattliches Bischofsgehalt wird demnach zukünftig zu über 90 Prozent von bereits zur ewigen Verdammnis Verurteilten finanziert werden, denn der hochdotierte Herr wird nämlich vom Staat bezahlt. Und das, obwohl Jesus ausdrücklich keine bezahlten Würdenträger wollte: „Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder.“ (Matthäus 23, 8)

Ralf Böhm, Berlin-Buckow

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