Meinung : Vom Klon- zum Hormonfleisch

Die EU-Agrarminister wollen Milch und Fleisch von Nachkommen geklonter Tiere auf dem europäischen Markt zulassen. Über Produkte, die die Welt nicht braucht – und die sich trotzdem weiterverbreiten

Dagmar Dehmer

Die Debatte um Klonfleisch gehört in die Kategorie: Produkte, die die Welt nicht braucht. Die EU-Agrarminister wollen Milch und Fleisch von Nachkommen geklonter Tiere auf dem europäischen Markt zulassen, wenn die EU-Lebensmittelbehörde Efsa keine Bedenken hat.

Grundsätzlich sieht die Efsa keinen Unterschied zwischen konventionell erzeugtem Fleisch und Fleisch von Klon-Nachkommen. Von einer Verschärfung der Regeln zu sprechen, wie das die deutsche Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) tut, ist also ziemlich abwegig. Aber irgendwie muss sie ja auf den Protest des Europaparlaments, von Umweltschützern und sogar dem Bauernverband reagieren.

Gesundheitliche Bedenken führt dabei niemand ins Feld. Aber ethisch geht das Klonfleisch den meisten gegen den Strich. Denn geklonte Tiere altern schneller und werden schneller krank. In den USA ist das umstrittene Fleisch bereits zum Verzehr zugelassen – und nicht als solches gekennzeichnet. Dort versprechen sich Züchter noch produktivere Tiere aus der Vervielfältigung besonders wertvoller Rinder oder Schweine.

Dabei verarmt der Genpool der Nutztiere weiter. Die meisten Hochleistungstiere, die uns derzeit mit Milch und Fleisch versorgen, stammen aus wenigen Zuchtlinien. Kein Wunder, dass engagierte Bauern versuchen, den Genpool durch die Zucht von Nutztierrassen, die vom Aussterben bedroht sind, wieder etwas zu vergrößern. Doch mit den geklonten Zuchttieren wird die Schraube der intensiven Landwirtschaft noch weiter gedreht. Schon heute können Hochleistungskühe nicht mehr auf die Weide, weil sie auf ihre übergroßen Euter trampeln.

Dass das Fleisch der Nachkommen dieser Tiere sich nicht von dem Fleisch konventionell gezüchteter Nutztiere unterscheidet, dürfte die Verbraucher kaum besänftigen. Wie bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln fordern Verbraucherverbände und das Europaparlament auch hier zumindest eine Kennzeichnung. Wird es gekennzeichnet, ist der nächste Handelskrieg mit den USA absehbar. Die Agrarminister wollen das offenbar vermeiden. Denn beim ältesten Handelskrieg ist gerade Abrüstung angesagt.

Der Streit um das Importverbot für Hormonfleisch aus den USA soll in den kommenden vier Jahren beigelegt werden. Seit Anfang der 80er Jahre weigert sich die EU, Fleisch aus den USA zu akzeptieren, das von Tieren stammt, die mit Wachstumshormonen behandelt worden sind. Das war ziemlich teuer, weil die USA seit Jahren auf immer neue Produkte hohe Zölle verlangen dürfen, weil die Welthandelsorganisation (WTO) das Vorsorgeprinzip der EU nicht anerkennt.

Um diesen Zöllen auf Agrarprodukte zu entgehen, hat sich die EU nun entschlossen, den USA fast eine Verdopplung ihrer zollfreien Fleischimporte aus konventioneller Produktion zu erlauben. In dieser Situation wollen die Agrarminister offenbar kein Risiko eingehen. Fragt sich nur, ob die Protestwelle der Verbraucher nicht viel riskanter für sie ist.

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