Meinung : Vom Korb in die Tüte

„Wowereit bezirzt die Subkultur“

vom 22. Oktober

Die neu geschaffene Stelle „Pop- und Rockbeauftragter“ des Berliner Senats grüßt den Länderfinanzausgleich. Kein Bundesland kennt eine solche Position und nur wenige Haushalte sind in einer so prekären Situation wie Berlin, dass sie auf ihre Ausgaben streng achten müssen, da die Einnahmen schon lange den laufenden Kosten hinterherhinken. Aber was soll’s? Mit dem Geld der Steuerzahler ist noch so lange zu verwirtschaften, bis Berlin endlich das

Griechenland der Bundesrepublik ist. Aber ach: Einen Schritt vor dem

Abgrund waren wir gestern, heute sind wir einen Schritt weiter.

Laut Kulturverwaltung stehen in Berlin jährlich 350 000 Euro für Nachwuchsarbeit in der Kulturszene Berlins zur Verfügung. Fast den dreifachen Etat braucht der Senat nun für den Pop- und Rockbeauftragten, damit dieser sich in der Verwaltung darum bemüht, dass Fördergelder und Programme auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Aber der spitzfindigen Aufgaben des neuen Beauftragten noch mehr, zum Beispiel eine Institution zwischen Politik und Szene zu werden. Ja, wer braucht das denn? Die Szene?

Auch als Kiez-Streife soll der Beauftragte zwischen Klubs und Nachbarschaft vermitteln und natürlich als Verleger zwischen Musikern und Musikwirtschaft als Makler tätig werden. Das sind griechische Verhältnisse und niemand muss sich mehr wundern, wenn ein Geberland einem Nehmerland die Kosten- und Ausgabenpolitik vorwirft, die sich kein anderes Bundesland leisten kann, nur dasjenige, welches den Überblick über Einnahmen und Ausgaben schon lange verloren hat und wo es scheinbar auf diese oder jene Million gar nicht mehr ankommt.

Ich stelle mir einen Einzelhandelsverbund vor, in dem auch die stärkeren Märkte die schwächeren stützen. Und der kleinste schwächste Markt stellt

Einpackhilfen Vom-Korb-in-die-Tüte ein, dessen Personalkosten sich der

florierendste der beteiligten Märkte nicht leisten kann.

Ich glaube, dass der Länderfinanzausgleich den Beteiligten ganz dringend auf die Finger sehen muss.

Peter Hellmich, Berlin-Hermsdorf

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