VOM NETZ GENOMMEN : VOM NETZ GENOMMEN

Was diese Woche auf Tagesspiegel.de diskutiert wurde.

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Eines kann man konstatieren: Der Versuch von Bundespräsident Christian Wulff, die Debatte mit seinem Fernsehinterview bei ARD und ZDF zu beenden, ist gründlich fehlgeschlagen. Unsere Nachrichten, Analysen und Kommentare zur Medien- und Kreditaffäre von Christian Wulff sind in den vergangenen Tagen regelmäßig am meisten gelesen und auch am stärksten kommentiert worden. Weit über 1000 Kommentare gab es zum „Wulff- Komplex“. Von wegen, das interessiere niemanden mehr.

Wahr ist allerdings, dass die Frustration groß ist. User „Tedesco“ sagt: „Unerträglich. So langsam werden die Geschichten einfach unerträglich, Fremdscham macht sich breit, jedenfalls bei mir.“ Und User „schoenfelder“ sagt: „Die Frage ist doch, wer hört zuerst auf? Wulff oder Medien? 1. Entweder endet die Affaire, weil die Medien ihre Berichterstattung einstellen. 2. Oder es hört auf, weil Wulff zurücktritt. Ich denke, die zweite Alternative ist die bessere. Denn warum sollten die Medien nicht mehr weiterberichten, nachdem Wulff immer wieder und so auch jetzt nur fragwürdige Antworten gibt. Es ist ja schließlich das Fehlverhalten von Wulff selbst (distanzlose Annahme von Vorteilen und seine fragwürdigen Stellungnahmen hierzu), welches die Ursache für die fortwährende Berichterstattung gesetzt hat.“

Ein sicheres Zeichen dafür, wie wenig Wulff noch zugetraut wird, ist die Debatte um einen möglichen Nachfolger, die auch in unserem Forum entbrannt ist. „Wutbuerger“ sagt. „Und wieder ein ermüdender Artikel über Wulff. Die Hoffnung auf Gauck wird weiter genährt.“ Darüber herrscht aber auch keine Einigkeit. „Chalet“ fragt: „Hoffnung?“ Und fügt an: „Gauck soll eine Hoffnung sein? Für das Amt wäre es der GAU!“ „Chalet“ hat einen ganz anderen Vorschlag: „Vielleicht wäre es besser, wir würden es machen wie in der EU. Die Präsidentschaft rotiert über die Bundesländer wie der Bundesratspräsident. Alle wären mal dran und könnten ein bisschen die große, weite Welt beschnuppern. Ein weiterer Vorteil wäre, dass der/die jew. Kanzler/in den/die BP nicht im eigenen Sinne instrumentalisieren könnte.“ Horst Seehofer hätte sicher nichts dagegen.

Die Medien selbst sind in unseren Wulff’schen Debatten auch Thema. Malte Lehmings „Kontrapunkt“ zur Systematik eines Skandals wurde heftig diskutiert. User „historix108“ ist seiner Meinung: „Es ist schon frappierend, wie sich das Vorgehen des Boulevardblatts mit den vier Buchstaben mit der Anleitung ,The making of a Scandal’ deckt – und es wäre ebenso eine öffentliche Diskussion über Ethik und Presseberichterstattung angebracht.“ Und „egni“ geht darüber hinaus: „Egal, wie man die Angelegenheit und das Verhalten von Herrn Wulff beurteilt, vieles, was im Anschluss geschrieben wurde, hinterließ den Eindruck einer perfekten Inszenierung und einer Hetzjagd.“

Die Medien sind also Schuld? „historix108“ geht nicht so weit. Ernüchterung spricht aus seinem Kommentar: „Eine solche Affäre wäre Präsidenten eines Formats à la von Weizsäcker, Heinemann oder Herzog so nie passiert.“ Christian Tretbar

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