Meinung : Vom Neuen denken

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Das könnte der Tag sein, an dem alles begann. An dem es dem Kanzler gelang, seine Glaubwürdigkeit zurückzubekommen. Sonnabend, 12. Februar: Gerhard Schröder tritt nicht vor die Teilnehmer der 41. Sicherheitskonferenz in München. Er ist krank. Seine Worte aber finden Gehör. Und was sagt er? Die Nato hat Schwierigkeiten bei der Kommunikation ihrer Mitglieder. Soll heißen: Mindestens in den vergangenen zwei Jahren ist so viel schief gelaufen, dass es zu Zerwürfnissen gekommen ist. Ich will machen, dass alles wieder gut wird. Nicht: Ich will alles wieder gutmachen. Weil Zusammenhalt wichtig ist.

Aber wie konnte es passieren? Auch dazu hat Schröder eine Antwort: Die Zeiten haben sich geändert. Der internationale Terrorismus wächst – in einem Ausmaß, das alles bisher Dagewesene überfordert hat, selbst die Nato. Mit dieser Erklärung gibt er keinem der beteiligten Länder die Schuld. Er schafft die Voraussetzung für seine Idee: die Offenheit der anderen. Sein Plan, ein Gremium zu schaffen, quasi einen Beraterstab für die Nato, der sich auf die Bekämpfung von Terrorismus und die Analyse seiner Ursachen konzentriert, kann aufgehen. Auf der einen Seite die USA, auf der anderen Seite die Europäische Union. Zusammenhalten gegen den Feind. Ein guter Anfang.

Aber, dem Terrorismus den Nährboden zu nehmen, wie geht das? Indem die Armut bekämpft wird. Weil Armut und Elend Gewalt und Hass befördern, auch das sagt Schröder. Entwicklungshilfe, weil arme Menschen sonst mit Gewalt gegen diejenigen vorgehen könnten, denen es besser geht. Eine Gruppe gegen die Armut, gegen Terror, gegen Missverständnisse. Schröder wird das Thema mit aller Kraft weiter betreiben. Von nun an wird er bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf zu sprechen kommen. Immer wieder. Bis die Menschen verstehen.

Schröder wird kompetent wirken in dieser Frage, und er wird Antworten haben. Erster Beweis war die Fluthilfe Deutschlands. Er wird Unterstützung von den europäischen Freunden wie von den transatlantischen Partnern bekommen. Und er wird glaubwürdig sein. Glaubwürdigkeit ist das, was sich mit dem Namen Schröder nicht mehr verbindet. Bis jetzt zumindest. nan

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