Vom Wert des Goldes : Die solideste Geldanlage für 2011

Harald Martenstein erinnert an eine nicht ganz neue Erkenntnis: Banken sollte man nicht bedingungslos vertrauen. Aber was tun mit dem Geld? Soll man es in Immobilien, Gold oder Weihnachtsgeschenke investieren?

Selbst dem soliden Gold ist anlagetechnisch nicht zu trauen.
Selbst dem soliden Gold ist anlagetechnisch nicht zu trauen.Foto: Gold

Jetzt haben natürlich viele Leute Angst, dass im nächsten Jahr alles zusammenbricht, zum Beispiel der Euro. Man hat kein gutes Gefühl bei dieser Sache. Was kann man tun? Nicht wenige sagen, man soll seine Ersparnisse in Gold anlegen. Gold ist seit Jahren ein Hit. Der Goldpreis steigt deswegen nahezu ununterbrochen.

Nun hat eine Finanzzeitschrift einen Test gemacht. Sie kauften einen Goldbarren, das Sicherste überhaupt. Nach einigen Wochen fuhr ein Mitarbeiter zur Bank. Er sagte, er wolle seinen Barren abholen und ihn sich zu Hause auf den Nachttisch legen. Die Bankangestellten waren nervös und verlegen. Sie hatten das Gold gar nicht. Es war halt eine Finanztransaktion. Der Kunde zahlt Geld und hat dafür Anspruch auf soundsoviel Gold, theoretisch. Es ist genauso eine Luftnummer wie der Handel mit irgendwelchen Schuldverschreibungen. Die Journalisten fuhren dann noch zu zwei anderen Banken, bei denen sie Gold in Münzen- oder Barrenform gekauft hatten. Das Gold war, in seinem festen Aggregatzustand, nirgends vorhanden, obwohl die Bank immer fleißig Depotgebühren kassiert hatte. Die Banker boten an, das Gold innerhalb einer Woche zu besorgen, irgendwo musste es ja echtes Gold geben, viel lieber aber wollten sie den Wert des Goldes in Bargeld auszahlen. Davon hatten sie immerhin ein bisschen was im Haus.

Verstehen Sie? Das Gold ist virtuell. Es gibt gar kein Gold. Wenn die Mutter aller Krisen kommt und alle an ihr todsicheres Erspartes heran wollen, das auf der Bank liegt, dann wird es vermutlich viele traurige Gesichter geben. Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber: Banken sollte man nicht bedingungslos vertrauen. Andere sagen, man soll von den Ersparnissen ein Häuschen kaufen, damit man im Alter mietfrei lebt. Das Problem ist, dass man ein Häuschen weder verstecken noch ins Ausland schaffen kann. Deswegen erhöht der Staat pausenlos die Grundsteuer, denn er braucht immer Geld, ähnlich, wie ein Junkie immer Stoff braucht. Wer nicht weglaufen kann, ist das ideale Opfer, das gilt für jede Form von Beschaffungskriminalität. All den Rentnern, die an ihr Häuschen als Altersvorsorge glauben, gilt mein Mitgefühl. Die werden euch mit den Steuern so fertig machen, dass ihr den Tag verflucht, an dem ihr die Mietwohnung gekündigt habt.

Sie möchten einen echten Finanztipp? Feiern Sie Weihnachten ganz groß. Kaufen Sie für ein Drittel ihrer Ersparnisse Trüffeln, Champagner und Austern. Verschenken Sie das zweite Drittel – nicht an dubiose Organisationen spenden, sondern direkt verschenken! Und in der nächsten Woche geben Sie den Rest ihrer Euros für ein Silvesterfeuerwerk aus, an das Sie sich noch lange erinnern. Das ist, meiner Ansicht nach, die solideste Geldanlage für 2011.

19 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben