Meinung : Von herausragender Bösartigkeit – und Dummheit

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Der britische Historiker Niall Ferguson schreibt im „Daily Telegraph“ über den Tod Saddam Husseins:

Nur eine Minderheit von modernen Diktatoren wurde wegen ihrer Verbrechen hingerichtet. Die blutrünstigsten von ihnen, Stalin und Mao, starben in Vollbesitz ihrer Macht – wenn auch nicht ihrer Fähigkeiten. Franco gelang dasselbe Kunststück. Hitler trickste den Henker mit einer Patrone im Bunker aus. Pol Pot verlor die Macht, wurde aber nie vor Gericht gebracht und starb in seinem Bett, wie auch Idi Amin.

Slobodan Milosevic musste sich für seine Verbrechen vor Gericht verantworten, starb aber an einer Herzattacke, als ihm noch 50 Stunden Zeugenaussagen bevorstanden. Agusto Pinochet musste auch die Beschämung einer Festnahme erleiden, vor drei Wochen starb er aber eines natürlichen Todes, bevor das Verfahren überhaupt erst beginnen konnte. Suharto ist ein weiterer gestürzter Diktator, der wegen schlechter Gesundheit um einen Prozess herumkam. Und man sollte auch nicht die schwindende Gruppe von Diktatoren vergessen, die noch Leben und an der Macht ist: Fidel Castro, Robert Mugabe und Muammar Gaddafi.

Diktatoren haben per Definition absolute Macht. Ein Diktator, der sein Leben von einem Galgen baumelnd beendet oder im Angesicht eines Erschießungskommandos, muss demzufolge über eine eher seltene Kombination von Bösartigkeit und Dummheit verfügt haben: Genug von Ersterem jedenfalls, um sich den Hass seiner Landsleute zuzuziehen, und genug von Letzterem, um gegen Armeen anzutreten, die mächtiger als seine eigene sind. Beide Eigenschaften besaß Saddam Hussein im Überfluss. Deshalb verdient er es im Gefolge seiner Hinrichtung am Samstagmorgen, als der Mussolini von Mesopotamien, wenn nicht gar als der Ceaucescu von Bagdad in Erinnerung zu bleiben. (...)

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