Meinung : Von Katzen und Mäusen

„Die eigene Vermausung“ vom 14. Februar

Ich bekenne, ich bin Profiteurin der Vermausung. Ich bin Akademikerin, nicht Chefin, nicht Vorstand, finanziell unabhängig, mutig, feministisch, fleißig mit ca 60 Stunden in der Woche, die sich aus Teilzeitarbeit plus Reproduktionsarbeit ergeben. Ich möchte den vielen „faulen und feigen“ (Haus-) Frauen und Müttern danken, weil auch sie es sind, die mir das Leben einer berufstätigen Singlemutter in dieser Stadt erleichtern. Sie ermöglichen mir, Termine außerhalb der Regelbetreuung wahrzunehmen, nicht ständig ein schlechtes Gewissen zu haben oder ein leeres Portemonnaie wegen der Babysitterkosten. Erfolgreiche, freiwillig kinderlose Freundinnen und Freunde tauchen in unserem Alltag nicht mehr auf. Es bleibt also mutig, ein Kind zu bekommen ohne Quote und Familiengerechtigkeit – im Beruf, in Führungsetagen, Heim, Herd, bei Hausaufgaben.

Michaela Volkmann, Berlin-Steglitz

Frauen, die keinen beruflichen Erfolg haben, sind feige und faul, schreibt Bascha Mika. Für Bascha Mika könnte ich fast Mitleid empfinden. Von Herzensbildung unberührt maßt sie sich an, so über Frauen zu urteilen, offensichtlich aus eigener Infragestellung ihres Lebensweges will sie sich rechtfertigen, indem sie Mütter angreift. Sie scheint sich in einer Krise zu befinden, welche sie mit einer solchen Streitschrift versucht zu bewältigen. Es muss schließlich jeder Mensch einen Preis für seine Entscheidungen zahlen.

Dazu zu stehen und den anderen Menschen, die anders entschieden haben, ebenfalls mit Respekt gegenüberzutreten und deren Leistung nicht zu schmälern, wäre viel menschlicher, sympathischer und größer gewesen. So offenbart sie mit ihrem Buch nur, dass sie eine ganz normale Frau, ein ganz normaler Mensch in dieser Gesellschaft ist – auch wenn sie beruflich erfolgreich ist.

Annette Theil, Berlin-Staaken

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