Von Opel zu Arcandor : Der Nächste, bitte!

Was für Opel recht ist, muss für Arcandor billig sein. Wirklich? Die Bereitschaft des Staates zu helfen sinkt.

Heike Jahberg

Es ist kein verkaufsoffener Sonntag, dennoch werden heute viele Karstadt-Mitarbeiter zur Arbeit gehen. Mit Mahnwachen und „Kaufhausbesetzungen“ wollen sie für ihre Arbeitsplätze kämpfen und Druck auf die Regierung machen, Karstadt und den Mutterkonzern Arcandor vor der Pleite zu retten. Sie finden, was Opel recht ist, muss Arcandor billig sein. Der Staat ist in der Zwickmühle. Denn natürlich ist ihm das Schicksal von über 50 000 Beschäftigten nicht egal. Hinzu kommt: In vielen Städten ist Karstadt das letzte Kaufhaus am Ort. Zu Recht sorgen sich Bürgermeister um eine Verödung ihrer Innenstädte, wenn die Shopping-Center auf der grünen Wiese stehen und in der City nur noch Ramschläden, Spielhöllen und Discounter übrig bleiben.

Was Opel recht ist, muss Arcandor billig sein. Wirklich? Gerade Opel zeigt, welche Fehler passieren, wenn die Regierung hastig Rettungspakete schnürt. Milliarden Euro hat die Politik dem Autobauer und seinen Investoren versprochen, damit in Deutschland weiterhin Opel-Modelle vom Band rollen. Doch offensichtlich weiß niemand genau, was in der langen Rettungsnacht wirklich verabredet worden ist. Und offensichtlich haben sich die Investoren erfolgreich um verbindliche Zusagen gedrückt. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Regierung das Rettungspaket um die Ohren fliegt. Zugleich wird die Liste der Hilfe suchenden Firmen immer länger. Selbst Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will jetzt einen Staatskredit.

Für Arcandor und Karstadt ist das ungünstig. Die Bereitschaft des Staates zu helfen sinkt. Bleibt zu hoffen, dass sich der Konzern selber retten kann, indem die Eigentümer Geld nachschießen und die Banken stillhalten. Klappt das nicht, dürfte Arcandor um eine Fusion mit der Metro nicht herumkommen. Dann würden Karstadt- und Kaufhof-Filialen zusammengelegt. Eine gute Lösung? Die Karstadt-Beschäftigten sagen Nein. Deshalb gehen sie heute zur Arbeit – auch ohne verkaufsoffenen Sonntag.

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