Meinung : Von Saddam kaufen wäre billiger

Das Öl-Argument ist zu simpel – und widerspricht der Logik amerikanischer Interventionen / Von Jeff Gedmin

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PRO & CONTRA: IRAK – EIN KRIEG UM ÖL? (2)

Es gibt gute Gründe für eine Intervention im Irak zu sein. Sie stehen in der Resolution 1441: dass der Irak das Waffenruheabkommen von 1991 verletzt; dass Bagdad es versäumt abzurüsten; und dass Saddam Hussein weiterhin eine „Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit“ darstellt. Die Resolution 1441 – im vergangenen Herbst vom Sicherheitsrat mit 15:0 Stimmen angenommen – lässt dem Irak eine „letzte Möglichkeit“, seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Es gibt gute Gründe, Zweifel an einer Intervention zu haben. Wie unmittelbar ist die Bedrohung? Was ist der Preis einer Intervention? Wäre nicht Eindämmung angemessen und erheblich weniger gefährlich als ein Krieg? All dies sind wichtige Fragen. Stattdessen ist immer wieder der Slogan „Kein Blut für Öl“ zu hören. Günter Grass verkündet ihn; Jürgen Trittin wiederholt ihn; „Der Spiegel“ druckt ihn nach. Vielleicht hat der Kanzler ihn im Kopf wenn er sich gegen ein amerikanisches „Abenteuer“ richtet. Die meisten Deutschen sind inzwischen der Ansicht, Amerika verfolge den Krieg aus Profitgier.

Amerikaner lässt das ratlos. Lediglich 22 Prozent der Amerikaner glauben, dass es beim Krieg um Öl geht. Sogar Jimmy Carter, Gegner einer Intervention und nicht gerade ein Verbündeter von Bush, sagt, dass es der Regierung nicht ums Öl geht.

Also um was geht es hier? Um das gleiche wie in Somalia. Auch damals hieß es, die Amerikaner hätten Öl entdeckt! Und? Nicht ein einziger Tropfen floss nach einem Einsatz, bei dem es für jeden in Amerika um Hilfe für hungernde Menschen ging. Gleichermaßen Bosnien, Kosovo, und Haiti. Kaum zu glauben, eine ganze Serie von humanitären Einsätzen: ohne eine bedrohte USA, ohne Massenvernichtungswaffen, ohne Profit für Esso. Nicht einen Cent. Oder auch Venezuela, wo die Streiks im vergangenen Jahr den Ölpreis auf über 34 Dollar pro Barrel hochschnellen ließen (von vorher 18 bis 25 Dollar). Das hat richtig wehgetan. Und doch gab es keine Pläne für eine Invasion, kein einziger amerikanischer „Rambo“ in Sichtweite. Trotzdem kriegen wir von unseren engsten Freunden diese simplizifierende und zynische Karikatur amerikanischer Motive geboten.

Wie sieht es beim Irak aus? Natürlich haben die USA wirtschaftliche Interessen im Golf. Öl ist wichtig. Auch für die Europäer. Die Franzosen wissen das: Als die Amerikaner und Engländer 1999 im Sicherheitsrat über ein neues Team von Waffeninspekteuren abstimmen ließen, enthielten sich die Franzosen der Stimme. Die beiden größten Ölfirmen Frankreichs hatten nämlich gerade lukrative Verträge mit dem Irak abgeschlossen und Bagdad drohte offen, diese Verträge aufzulösen, falls sich Paris dem harten Kurs Washingtons anschließen sollte.

Klar, der Irak ist ein dicker Brocken. Die Ölreserven des Irak mit 112,5 Milliarden Barrel werden nur von denen Saudi Arabiens übertroffen. Und dennoch ist das „Blut für Öl“Argument löchrig: Wir waren schon längst einmal im Irak. Wir hatten den Krieg 1991 gewonnen. Wir hatten Kuwait befreit. Und haben doch davor zurückgeschreckt, ein einziges Ölfeld zu besetzen. Warum eigentlich? Und vermutlich sollen wir jetzt umgedacht haben?

Die Kosten eines Krieges (geschätzte 60 bis 100 Milliarden Dollar) und die beträchtlichen Summen, die für den Wiederaufbau des Landes aufgebracht werden müssen, übersteigen bei weitem die optimistischen Bewertungen der Ölprofite. Mehr noch: Iraks unterentwickelte Wirtschaft wird vermutlich noch auf Jahre schwach bleiben. Es wird sehr viel Zeit und Geld kosten, die antiquierte Infrastruktur der irakischen Ölindustrie aufzumöbeln. Aus einer vor kurzem veröffentlichten Studie des Council on Foreign Relations zum Beispiel geht hervor, dass mindestens drei Jahre und 5 Milliarden Dollar notwendig sind, um die irakische Ölförderung auf den Stand vor 1990 zu bringen. Unter der Bedingung, natürlich, dass der Krieg gut ausgeht.

Ja, die Amerikaner haben wirtschaftliche Interessen, und die schließen Öl mit ein. Wir bekennen uns schuldig. Aber, um ehrlich zu sein, es wäre leichter, Saddam Hussein das Zeug einfach abzukaufen. Man könnte es unseren eigenen „kritischen Dialog“ mit dem Metzger aus Mesopotamien nennen. Sähe so eine US-Außenpolitik aus, über die sich unsere Freunde wirklich freuen würden? Das wäre nun wirklich „Blut für Öl“.

Der Autor ist Direktor des Aspen Institute Berlin. Foto: dpa

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