Meinung : Von Tag zu Tag: König Kunde

Andreas Conrad

Der Kunde sei König? Da können wir nur lachen. Kaiser ist noch das Mindeste, was die neue hauptstädtische Beflissenheit, dieses "Was darf ich für Sie tun?"-Getue nahezulegen scheinen. Von dem selbstlosen Kampf um kundenfreundliche, nach vorn wie hinten endlos ausgedehnte Öffnungszeiten ganz zu schweigen. Berlin - ein Kaufrausch.

Aus dem man freilich noch allzu oft verkatert erwacht. Zum Beispiel wenn man in einem Baumarkt den Zuschnitt einiger Spanplatten in Auftrag gibt, doch der Mann an der Säge hat sich die Ohren nicht gewaschen, hört statt der bestellten Breite von 46 gleich 100 Zentimeter mehr. Mit dem Ergebnis ist der Kunde nicht einverstanden, das wiederum erbost seinen Gegenüber, aber man habe doch, und wieso sollte er denn ... bis er klein beigibt und die überdimensionierten Platten zur Seite stellt - allerdings unwirsch, und deutlich gibt er zu verstehen, das Zuschneiden neuer Platten sei an sich eine Gnade.

Wenige Tage später der Einkauf bei einem großen Gemüsehändler, neueröffnet, das Personal daher besonders bemüht - sollte man meinen. So sehr, dass statt dreier Salatköpfe für drei Mark gleich vier eingepackt werden, mit entsprechendem Preiszuschlag. Als der Kunde dies moniert, wieder der unlängst erlebte Unmut, die schon verpackten Salatköpfe fliegen zur Seite, beleidigt erklärt der Verkäufer, ein Kopf allein koste einsfünfzig - und wendet sich schon neuer Kundschaft zu. Immerhin, der Einkauf kommt billig: Behalten Sie doch Ihren Salat.

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