Meinung : Vorredner und Vorreiter

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Jetzt reden sie wieder, die Weltenretter an der Klimafront, und es klingt seltsam vertraut. Millionen Menschen seien bedroht, erklärt uns die Kanzlerin zum Auftakt der diesjährigen Klimakonferenz in Nairobi, und mahnt eine „Vorreiterrolle“ für Europa an. Ihr Umweltminister weiß von tollen technischen Möglichkeiten gegen die Treibhausgase, und gemeinsam wetteifern sie mit ihren Kollegen aus London um die radikalsten Ziele. Doch diese Klimarhetorik verbreitet längst den üblen Geruch der Heuchelei. Tatsache ist: Beide Parteien der regierenden Koalition haben jahrelang den Klimaschutz nach Kräften sabotiert. Mal verhinderten sie den energiesparenden Ausbau der Kraft-Wärme-Koppelung, mal schützten sie die Autoindustrie gegen die Abschaffung ihrer spritfressenden Geländepanzer. Dann wieder subventionieren sie Kohlekraftwerke, die größten Klimakiller, mit kostenlosen Emissionszertifikaten. Die Nachbarstaaten hielten es nicht besser, folglich wird die EU nicht mal das Ziel des Kyoto-Vertrages erfüllen. Auf der Strecke bleibt so die wichtigste Zugabe für einen neuen Weltklimavertrag: die Glaubwürdigkeit der „Vorreiter“. Dagegen helfen nur harte Vorgaben für die Industrie und milliardenschwere Investitionen. Sonst können wir uns auch die Klimakonferenzen sparen.hsc

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