Vorschlag der Grünen Baden-Württemberg : Studiengebühren für Ausländer sind falsch

Die Grünen in Baden-Württemberg denken darüber nach, von Ausländern Studiengebühren zu verlangen. Doch das kostenlose Studium ist auch ein Standortvorteil - die deutschen Unis haben gerade in der Krise davon profitiert.

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Studierende an der Universität Tübingen - die Grünen Baden-Württemberg erwägen Gebühren für ausländische Studierende.
Studierende an der Universität Tübingen - die Grünen Baden-Württemberg erwägen Gebühren für ausländische Studierende.Foto: dpa

Manchmal sind auch die Grünen für Überraschungen gut. Vor zwei Jahren gewannen sie die Landtagswahl in Baden-Württemberg unter anderem mit der Forderung, die Studiengebühren abzuschaffen. Jetzt schlägt die dortige Grünen-Fraktionschefin Edith Sitzmann vor, das Studium wieder gebührenpflichtig zu machen – zwar nicht für Deutsche und auch nicht für EU-Bürger, aber für alle anderen Ausländer.

Ausgerechnet die sonst für Diskriminierungen so sensiblen Grünen möchten eine bestimmte Bevölkerungsgruppe benachteiligen. Sitzmann argumentiert damit, dass diejenigen, „die aus den USA oder Asien zu uns kommen, nicht aus den ärmsten Elternhäusern“ stammen würden. Abgesehen davon, dass auch die besten deutschen Unis bis heute nicht mit den US-Kaderschmieden mithalten können, stellt sich aber die Frage, warum der Vermögensstatus der Eltern dann nicht auch für deutsche Studenten relevant sein soll.

Die Gegner von Gebühren argumentierten bisher damit, dass Akademiker nach dem Studium in der Regel höhere Steuern zahlen, weil sich ein Uniabschluss beim Gehalt bemerkbar macht. Ehemalige Studenten würden so nachgelagert zur Finanzierung ihrer Ausbildung herangezogen – und nicht allein auf Kosten von Krankenschwestern oder Handwerksgesellen Karriere machen.

Aus dieser Perspektive kann man tatsächlich für Studiengebühren bei Ausländern sein: Weil nicht klar ist, ob sie nach dem Abschluss in Deutschland bleiben, muss man sie eben von Anfang an zur Kasse bitten. Wenn allerdings Deutschland tatsächlich einen so großen Fachkräftebedarf hat, dann sollte sich die Politik viel eher darauf konzentrieren, aus Uniabgängern auch potente Steuerzahler zu machen.

Das weist auf ein anderes Problem hin: Im deutschen Fall sind Studiengebühren allein deshalb problematisch, weil das System auf Mittelmaß ausgelegt ist. In der Regel produzieren die Unis keine hochbezahlten Manager. Ein Uniabschluss zahlt sich gegenüber einer Facharbeiterausbildung nicht mehr in jedem Fall aus, auch wenn die Zahl der arbeitslosen Akademiker unter dem Durchschnitt liegt.

Und so sind es eben auch kaum verwöhnte Oberschichtkinder aus Asien und den USA, die in Deutschland studieren, sondern häufig Studenten aus Entwicklungsländern, die sich eine Ausbildung in Harvard oder Oxford nicht leisten können. Sie würden von 2000 Euro Studiengebühren im Jahr abgeschreckt, auch wenn wie jetzt wieder die Auslobung von Stipendien versprochen wird. Umgekehrt hätten die Unis wenig gewonnen; schon die Gebühren für Inländer haben die Lehre wenig verbessert.

Die Durchschnittlichkeit der deutschen Universitäten ist in der Krise zum Standortvorteil geworden – wer das Geld für die Top-Unis nicht hat, bekommt hier zumindest eine solide Ausbildung. Deutschland ist zum drittbeliebtesten Land unter ausländischen Studierenden aufgestiegen. Dieser Standortvorteil würde mit der Grünen-Idee aufs Spiel gesetzt.

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