Vorwahlen in den USA : Gegen die in DC

Sind die Amerikaner die neuen 68er? Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment, reimte die studentische Protestbewegung. 2010 misstrauen US-Bürger jedem, der mehr als einmal dem Kongress in Washington angehörte. Schon in normalen Zeiten sprechen Amerikaner über ihre Hauptstadt mit ähnlicher Geringschätzung wie Europäer über „die in Brüssel“. Bürokratismus, Ineffizienz, Geldverschwendung, lauten die (Vor-)Urteile. Wegen der Wirtschaftskrise, der hohen Arbeitslosigkeit und der Staatsverschuldung ist der Zorn auf „die in Washington“ nochmals gewachsen. Bei der Kandidatenaufstellung für die Kongresswahl rebellieren nun die Bürger gegen die Favoriten des Establishments. Der Unmut richtet sich gegen Präsident Barack Obama, aber ebenso gegen die Führung der Republikaner – mit paradoxen Folgen: Unter dem Druck der „Tea Party“ rückt die Rechte weiter nach rechts und wird damit weniger attraktiv für Wähler der Mitte. Obamas Demokraten werden im November gewiss Sitze verlieren. Aber die Aussicht, die Mehrheit zu verteidigen, wächst. Revolten entwickeln unbeabsichtigte Eigendynamiken, 2010 ebenso wie 1968. cvm

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