VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch : "Auf unseren Stühlen werden Asiaten sitzen"

Dieser Mann hat viele Leben. Die braucht er auch, denn Ferdinand Piëch konstruiert seit fast zwei Jahrzehnten an seinem Lebenswerk: dem weltweit größten Hersteller von Fahrzeugen.

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Bald ist es so weit, und dann ist der heute 74-Jährige raus aus dem Schatten seines Großvaters Ferdinand Porsche, der den Käfer entwickelt hat und damit die Grundlage für das Porsche-Piëch-Imperium legte. Aber der wahre Imperator der Sippe ist Ferdinand Piëch.

Der VW-Konzern hat jetzt die Mehrheit an MAN übernommen. Scania gehört schon zum Konzern, und jede Menge Pkw-Marken – unter anderem Audi, Skoda, Seat und Bentley – auch. Vielleicht übernimmt Piëch, von 1993 bis 2002 Vorstandschef, seitdem Aufsichtsratsvorsitzender von VW, demnächst noch Suzuki und Alfa Romeo. Doch unabhängig von weiteren Übernahmen wird VW mit großer Wahrscheinlichkeit in nächster Zeit Toyota als größten Fahrzeughersteller ablösen. Und nicht erst 2018, wie der Piëch-Vertraute und VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn als Zieldatum ausgegeben hat.

Er sei aufgewachsen wie ein Hausschwein, habe sich aber in der Wildnis durchsetzen müssen, hat der Internatsschüler Piëch einmal über seine Kindheit und Jugend gesagt. Im Beruf ging der Kampf dann weiter. Piëch ackerte sich bei Audi hoch, wurde Chef, machte die Marke mit den Ringen stark und stieg deshalb zum VW-Konzernchef auf. „Auf unseren Stühlen werden Asiaten sitzen“, mahnte er damals und griff zu besonderen Abwehrmaßnahmen. Piëch holte den Wundermann und Kostenkiller José Lopez von General Motors nach Wolfsburg. Der wurde der Spionage verdächtigt und musste gehen. Piëch überlebte den Skandal, VW zahlte einen dreistelligen Millionenbetrag im Rahmen eines Vergleichs.

Mit Hilfe von Peter Hartz, der die Vier-Tage-Woche einführte, sanierte Piëch VW. Jahre später stürzten Hartz und Betriebsratsboss Klaus Volkert über die Lust- und Luxusreisenaffäre. Piëch überlebte. Kurz darauf versuchte der damalige VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder gemeinsam mit VW-Aufsichtsrat Christian Wulff den Alten aus dem Aufsichtsrat zu entfernen: Pischetsrieder flog kurz darauf raus. Piëch blieb. Schließlich der Machtkampf um Porsche. Piëchs Vetter Wolfgang, der an der Seite von Porsche-Chef Wiedeking stand, hatte keine Chance. Wiedeking ist weg, Wolfgang gibt Ruhe und Piëch schraubt weiter an seinem Lebenswerk.

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