Meinung : Währungsumstellung: Einführung der Mark-Wirtschaft

Heik Afheldt

Für die rund 600 000 Einwohner der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro gilt nun die D-Mark als einziges gesetzliches Zahlungsmittel. Ade Dinar! Warum? Und was heißt das für die Mark und, ab 2002, für den Euro?

Für den Währungsrat in Montenegro ist die Sache klar. Mit der Mark wird das Geld legitimiert, das in vielen Staaten Südosteuropas seit langem als heimliches Zahlungsmittel galt und das in Montenegro bereits seit dem vergangenen Jahr offiziell als Parallel-Währung umlief. Es ist stabil, jederzeit umtauschbar und weithin akzeptiert. So wie der Dollar in weiten Teilen der Welt.

Die überlegene Währung setzt sich eben - oft gegen den Willen der Gesetzgeber - durch. Das war schon bei den Münzen im Mittelalter so. Ecuador hat kürzlich den US-Dollar zur alleinigen amtlichen Währung erklärt. Bosnien und der Kosovo haben die D-Mark zur Allein- oder offiziellen Zweitwährung gewählt. In Serbien ist die Mark de facto Zweitwährung. Diese Länder nutzen die Währung, die bei der Bevölkerung mehr Vertrauen genießt als ihre eigene. Sie ist stabiler, Wechselkursrisiken entfallen. Für die Exportwirtschaft und den Tourismus entstehen damit klare Kalkulationsgrundlagen.

Einen Teil dieser Vorteile peilen auch die "Currency-Boards" an, die in der jüngsten Zeit mit dem Segen des IWF entstanden sind. Da binden die Zentralbanken ihre Währung an andere für sie wichtige Währungen, wie etwa Estland, Bulgarien oder Bosnien/Herzegowina. Polen hat seinen Zloty gerade neu an den Euro (55 Prozent) und den US-Dollar (45 Prozent) gekoppelt. Das zügelt die Inflation und die Kursschwankungen, bewahrt aber nicht vor diesen, wie das Beispiel Tschechiens gezeigt hat. Dort hatte die inflationäre Entwicklung eine Neufestlegung der Wechselkurse im Währungskorb erzwungen. Die alten waren hartnäckig - und mit großen volkswirtschaftlichen Schäden - verteidigt worden. Wäre es besser gewesen, auch in Tschechien gleich die "Mark-Wirtschaft" einzuführen?

Die Frage führt zurück auf den erbitterten Glaubenskampf um die Entscheidungen über die Europäische Währungsunion und den Euro: flexible Wechselkurse oder Einheitswährung? Mit einer Einheitswährung geht eine wichtige Stellschraube verloren, mit der auf wirtschaftliche Ungleichgewichte, Wachstums- und Produktivitätsgefälle reagiert werden kann. Vertraglich festgezurrte Auflagen etwa zur Haushaltsdisziplin sollen die gefährlichsten Sünden, die zur Inflation führen, unterbinden. Aber das verhindert nicht, dass heute in Irland eine ganz andere Wachstumsdynamik besteht als in Italien - und morgen in Montenegro.

Ein heterogenes Währungsgebiet, in dem nun auch noch völlig autonome Länder als "Mitfahrer" auftreten, stellt die Währungsbehörden vor zusätzliche Aufgaben. Die Geldmengensteuerung wird diffiziler - und die Kontrolle der Echtheit des Geldes auch. Tatsächlich werden auf dem Balkan kräftig D-Mark-Scheine produziert, Falschgeld, das hier schnell entdeckt würde. In den ost- und südosteuropäischen Ländern läuft es lange unerkannt um. Das beschädigt auf längere Sicht das Vertrauen in die Währung. Das Problem bleibt, auch wenn Montenegro Anfang 2002 - wie beschlossen - von der Mark zum Euro wechselt.

Bundesregierung und Bundesbank waren an der Aktion in Montenegro nicht beteiligt. Sie sind auch nicht sonderlich beunruhigt. Dafür ist das Gewicht des Landes zu gering. Anders wäre es, wenn Russland morgen den Rubel durch die D-Mark ersetzen würde.

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