Meinung : „Wäre ich kein Monarchist, …

Jens Mühling

… dann wäre es schwierig, diesen Job zu machen.“

Königstreue gehört in der Tat zu den unbedingten Einstellungsvorraussetzungen für den Job, den Andrew Motion seit 1999 ausübt: Dem Hofpoeten der britischen Königsfamilie fällt die nicht immer leichte Aufgabe zu, die Irrungen und Wirrungen des Windsor-Geschlechts in staatstragende Verse zu gießen. Motion selbst hat das nie als Bürde empfunden: „Mich interessiert, wie menschliche Wesen mit dem Druck umgehen, dem sie ausgesetzt sind“, sagt der 53-Jährige. „Wie hält man die Flamme seiner Individualität am Leben, wenn ständig alle auf einem herumhacken?“

Motion hat das 50-jährige Dienstjubiläum der Königsmutter Elisabeth besungen („Fifty years of steadiness through change“), den Unfalltod von Prinzessin Diana verarbeitet und Verse zum 21. Geburtstag von Prinz William gefunden. Nun fällt ihm die vielleicht delikateste Aufgabe seiner Karriere zu: Heute muss Motion ein Gedicht über die Hochzeit zwischen Prinz Charles und Camilla Parker Bowles vorlegen. Noch ist der Inhalt streng geheim – doch dem allseitigen Sarkasmus der Briten wird sich der Hofdichter kaum anschließen: Gedichte, die die Königsfamilie verspotten oder kritisieren, seien von ihm nicht zu erwarten, erklärte Motion vorab.

Was reimt sich auf Camilla? Killer, Gorilla, Chinchilla? Schwieriger als die Suche nach klangvollen Versen dürfte es für den Hofdichter werden, den richtigen Ton zu treffen – denn im Gegensatz zu Diana gehören ihrer Nachfolgerin an der Seite des Thronfolgers weder die Herzen der Engländer noch die Sympathie der Königin. Die undankbare Aufgabe, eine unpopuläre Eheschließung zu besingen, wird Motion nicht einmal durch finanzielle Anreize versüßt: Für seine Dienste erhält der Hofdichter lediglich 500 Pfund im Jahr – und dazu 500 Flaschen Sherry.

Motions einziger Trost: Das Hochzeitspaar lässt den Hofdichter nicht allein mit seiner Aufgabe. Als begleitenden Bibelvers zu ihrer Heirat haben sich Charles und seine langjährige Geliebte eines der strengsten Reuelieder aus dem „Book of Common Prayer“ ausgesucht: „Wir beweinen unsere mannigfaltigen Sünden und Verfehlungen“, heißt es da, „und wir bereuen sie ernsthaft.“

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