Wahl III: Linke : Neuer Stolz

Die Linke ist ihrem Namen gerecht geworden. Bei der Wahl 2005 trat sie noch als Scheinpartei an, als fragiles Wahlbündnis aus Ex-Sozialdemokraten (WASG) und ehemaligen Staatssozialisten (PDS). Die Wahl jetzt zeigt: Die Linke hat sich als fünfte Partei emanzipiert.

Fabian Leber

Sie hat ihren Ruf abgestreift, nur vorübergehender Ausdruck von Hartz-IV-Protesten zu sein. Das bedeutet: Die Linke hat in weiten Teilen die Definitionsmacht darüber erlangt, was in diesem Land als links empfunden wird. Von ihren neuen Wählern ist sie als die bessere SPD identifiziert worden, bis in die linke Mitte hinein. Mit einem Programm übrigens, das in früheren Zeiten auch als Position der SPD-Linken durchgegangen wäre. Die Stärke der Linkspartei kann in naher Zukunft aber auch deren Schwäche sein. Dann nämlich, wenn sie gezwungen sein wird, zu beweisen, dass sie doch bloß regierungswillige Links-Sozialdemokratie ist. Die SPD wird es auf diesen Beweis ankommen lassen müssen, denn ohne die Linke wird sie eigenständig nicht mehr regierungsfähig sein. Mag es die SPD bisher mit Ausgrenzung probiert haben, so wird sie jetzt die Vereinnahmung versuchen. Aus Sicht der bisher geschmähten Linken mag vieles – auch unter dem Druck des schwarz-gelben Wahlsiegs – für ein Paktieren mit der SPD sprechen. Die aber sollte den neuen Stolz der Linken nicht unterschätzen. Geht die Linke der Reihe nach rot-rot-(grüne) Bündnisse ein, dann arbeitet sie auch auf ihre eigenes Ende hin. Für die Linke ist das ein guter Grund, unberechenbar zu bleiben.

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