Wahl in der Republik Moldau : Aus dem Hinterhof

Niemand kennt diesss Land mitten in Europa: Dabei wird es höchste Zeit, dass Europa dem Land eine Perspektive gibt

Sebastian Bickerich

Es ist ein kleines Land, weit weg und doch sehr nah. Horst Köhlers Familie stammt aus der Gegend, deutsche SS-Schergen töteten im Krieg dort 150 000 Juden. Und heute? Ein merkwürdiges Desinteresse herrscht in Berlin über Moldau, das Land mitten in Europa, dessen Bevölkerung sich bei den Wahlen für einen Kurs in Richtung EU entschieden hat. Liegt es daran, dass Russland die Ex-Sowjetrepublik zu seinem Hinterhof erklärt hat? Mit massiven Drohungen hatte Moskau versucht, das Volk zur Wahl der russlandtreuen Kommunisten zu bringen. Bis heute hält Russland dabei ein Faustpfand in der Hand: Die abtrünnige Republik Transnistrien, die Gas frei Haus und Waffenhilfe aus Moskau bekommt und die Russland im Falle einer Annäherung Moldaus zur EU zu annektieren droht. Die Bürger haben sich davon nicht schrecken lassen: Sie wollen einen Weg hin zu rechtsstaatlichen Strukturen und mehr Freiheit. Die EU und Berlin sollten eine künftige demokratische Regierung in Moldau dabei unterstützen – mit einer Beitrittsperspektive und Visa-Erleichterungen. Für Hinterhofdenken kann es in Europa keinen Platz geben.SB

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