Wahlarithmetik : Kein Mandat für die Spitze

Reformen oder Besitzstandwahrung: Für wen und was steht die Union in Berlin? Im Wahljahr 2009 kämpfen die Berliner CDU-Politiker Monika Grütters und Ingo Schmitt um ihr Bundestagsmandat - gegeneinander.

Ulrich Zawatka-Gerlach

Eine Spitzenkandidatin der Union, die bei der Bundestagswahl 2009 mit Hilfe der Wähler um ihr Mandat gebracht wird – das wäre mal wieder typisch Berlin. Sagen wir es genauer: Es wäre in diesem Fall typisch CDU (Berlin-West) und ein später Triumph des Ancien Régime einer Partei, die sich angeblich erneuern will. Der schon in die Wüste geschickte frühere CDU-Landeschef Ingo Schmitt käme doch wieder in den Bundestag und die Vizelandesvorsitzende in spe, Monika Grütters, bliebe draußen.

Möglich macht das die deutsche Wahlarithmetik, das System von Direkt- und Listenmandaten. Es begünstigt den persönlichen Erfolg der Bundestagskandidaten in ihren Wahlkreisen, und das ist ja durchaus eine richtige Idee. Trotzdem kann es passieren, dass besonders gute Ergebnisse einer Partei, konzentriert in deren Hochburgen, die Landesliste außer Kraft setzt. Auch vordere Plätze kommen nicht zum Zug. Deshalb ist es immer klug, die eigenen Spitzenkräfte doppelt abzusichern und in den besonders aussichtsreichen Wahlkreisen kandidieren zu lassen.

So klug sind die Berliner Christdemokraten aber (noch) nicht. Was hätte näher gelegen, als die liberale Monika Grütters, die im Bundestag einen guten Job macht und in der großstädtisch-bürgerlichen Gesellschaft verankert ist, in der westlichen City kandidieren zu lassen? In Charlottenburg-Wilmersdorf, wo aber Schmitt mit dem Hintern festgewachsen ist und die Mehrheit seiner bezirklichen Freunde immer noch für die eigenen Zwecke mobilisieren kann. Grütters dagegen musste schon 2005 in der östlichen CDU-Diaspora kämpfen, sie versteht Marzahn-Hellersdorf auch im Bundestagswahlkampf 2009 wieder als interessante Herausforderung, aber holen kann sie dort nichts.

Vielleicht hat die engagierte CDU-Frau, die seit Jahren für eine Erneuerung ihrer Partei von innen heraus steht, ja Glück. Durchaus noch mögliche Niederlagen anderer Unionskandidaten, etwa in Spandau oder Tempelhof-Schöneberg, könnten ihr Listenmandat retten. Aber irgendwie läuft es jetzt doch auf ein heimliches Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Reformerin Grütters und dem Besitzstandswahrer Schmitt hinaus. Für wen und was steht die Union in Berlin? Auch die Bundestagswahl könnte darauf eine Antwort geben.

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