Wahlen im Irak : Schwere Hypothek

US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, bis Ende August alle Kampftruppen aus dem Irak heimzuholen. Nach dem Wahlsonntag weiß keiner, ob er dieses Versprechen noch einlösen kann.

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Die Menschen haben sich nicht einschüchtern lassen. Trotz Bomben und Raketen – Millionen Iraker warteten seit Sonntag acht Uhr mutig vor den 10 000 Wahllokalen. Zehn Stunden später hatte das Volk entschieden und hofft nun, das Fundament für eine bessere Zukunft gelegt zu haben. Die erste wichtige Bewährungsprobe auf dem Weg in die volle Souveränität ist geschafft, der Wahltag erfolgreich absolviert worden. Bis zur Bildung einer stabilen Regierung allerdings ist noch ein weiter Weg. Der ersten Abstimmung 2005 folgten fünf Monate Gezerre um die Macht – und am Ende der Absturz in zwei Jahre Gewalt und Bürgerkrieg. Auch diesmal haben sich beträchtliche Hypotheken angesammelt. Mit der Disqualifizierung von rund 500 sunnitischen und schiitischen Kandidaten konnten Ministerpräsident Nuri al Maliki und die religiös-schiitischen Parteien zwar kurzfristig ein paar populäre Konkurrenten aus dem Weg räumen. Fast alle potenziellen Koalitionspartner aber haben sie damit schwer vor den Kopf gestoßen und jede Regierungsbildung belastet. Ein neuerliches Machtvakuum wie 2005 aber wird nicht nur die fragile Stabilität des Landes gefährden, sondern auch die Rückzugspläne von US-Präsident Barack Obama. Dem amerikanischen Volk hat er angekündigt, bis Ende August alle Kampftruppen heimzuholen. Nach dem Wahlsonntag weiß keiner, ob er dieses Versprechen noch einlösen kann. M.G.

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