Wahlen in Algerien : Unser Schweinehund

Dass Europa die Augen vor den Verhältnissen in Algerien verschließt und das Land als "verlässlichen Partner“ umwirbt, hat etwas mit jenem Pragmatismus zu tun, der allerorten den Umgang mit Diktatoren bestimmt.

Ralph Schulze

Die europäischen Regierungen wissen natürlich genau, was in Algerien abläuft: manipulierte Wahlen, Menschenrechtsverbrechen, eine von Staatschef Bouteflika angeführte Machtclique, die vom Gas- und Ölreichtum des Wüstenlandes profitiert, aber das Volk darben lässt. Dass Europa trotzdem die Augen verschließt und Algerien als „verlässlichen Partner“ umwirbt, hat etwas mit jenem Pragmatismus zu tun, der allerorten den Umgang mit Diktatoren bestimmt. Allein die Vorstellung, dass bei freien Wahlen in Algerien die Islamisten an die Macht kommen könnten, reicht aus, um Diplomaten den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben. Ein Gottesstaat als Mittelmeernachbar, der dazu noch die größten Erdgasreserven Afrikas verwaltet, das ist für die meisten Europäer ein Albtraum. Wohl deswegen wird der alte und neue Präsident vom Westen gestützt, obwohl dessen Wiederwahl einem grotesken Theaterstück glich. Bouteflika wird als das kleinere und vor allem berechenbarere Übel angesehen. Berechenbarkeit ist wichtig, um weiter Öl und Erdgas aus der algerischen Wüste nach Europa pumpen zu können. Denn Algerien gilt als Schlüsselland, um in Zukunft den Energiehunger Europas zu stillen und die Abhängigkeit vom launenhaften Russland zu verringern. ze

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