Meinung : Wahlen in Berlin: In der Ruhe liegt die Macht

Gerd Nowakowski

Abwarten, zuschauen, zurücklehnen ist manchmal eine höchst erfolgreiche Strategie. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit praktiziert das entspannte Beobachten jedenfalls höchst erfolgreich. Steffel rennt, Gysi unterhält, Rexrodt poltert - und Wowereit hängt die Konkurrenz ab. Die SPD liegt nach einer Forsa-Umfrage nun bereits bei 35 Prozent, die CDU verliert weiter an Boden: Spitzenkandidat Frank Steffel hat nur noch magere 26 Prozent zu erwarten.

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Nicht nur die stetig wachsende Zustimmung für die SPD erfreut den Regierenden Bürgermeister. Ebenso wichtig ist, dass alles auf die Sozialdemokraten zuläuft. Die CDU kämpft ganz für sich allein, während Wowereit drei Optionen für mögliche Koalitionen nach der Wahl hat. Selbst für Rot-Grün könnte es möglicherweise reichen, weil die Grünen sich auf 10 Prozent stabilisiert haben. Eine Ampel hätte eine sichere Mehrheit. Aufatmen bei der SPD, die eine Koalition mit der PDS gern vermeiden möchte.

Zufrieden können die sozialdemokratischen Wahlkampfmanager auch beobachten, dass die Zustimmung für die SPD in beiden Stadthälften nahezu gleich hoch ist. Bei der PDS ist dagegen im West-Teil die Entertainment-Offensive von Gregor Gysi ins Stocken geraten. Und alles läuft zur Zeit gegen die Union. Die Debatte um eine mögliche Ampel-Koalition nutzt der SPD auf doppelte Weise. Sie nimmt der CDU ein zentrales Wahlkampfthema weg. Je mehr über die Ampel diskutiert wird, um so weniger kann die CDU mit der Angst vor den Erben der Mauerpartei und dem "Verrat" der SPD punkten. Zugleich profitiert die SPD, wenn sie die FDP stark redet - auch wenn die liberalen Kandidaten wenig gemein haben mit der smarten Partei, die Frontmann Günter Rexrodt verkauft. Wenn die jahrelang klinisch tote FDP wieder ins Abgeordnetenhaus zurückkehrt, dann mit den Stimmen jener bürgerlichen Wähler, die sich bislang bei der CDU besser aufgehoben fühlten.

Hat Frank Steffel seine Zukunft schon hinter sich? Der Landowsky-Nachfolger im Amt des Fraktionschefs mag der Mann für den Generationswechsel in der Union sein, die Wahl aber wird er nicht gewinnen. Ihm klebt das Ungeschick an den Stiefeln; was er anpackt, geht schief. Den CDU-Spitzenkandidaten austauschen? Viel zu spät. Wowereit beobachtet es befriedigt. Zurückgelehnt.

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