Meinung : Wahlen in Hamburg: Fischer, Fischer ist das Wasser wirklich so tief?

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Jede Krise stellt Menschen in Verantwortung auf die Probe. Je größer sie ist, um so mehr kommt es auf die an, denen die Verunsicherten Vertrauen schenken. Die Amerikaner scharen sich um ihren Präsidenten, in Deutschland profitiert Gerhard Schröder und mit ihm vielleicht seine Partei. Nur die Grünen, immerhin auch Regierungspartei in Berlin, profitieren in dieser Krise nicht, im Gegenteil: Sie sind noch gar nicht ganz sicher, ob sie die neuen, harten Fragen wirklich so beantworten wollen, dass sie in der Regierung bleiben können. Alle Traditionen der Grünen sprechen dagegen, einzelnen Persönlichkeiten in der Partei so viel Gestaltungsmacht zu geben, wie es der Schock eigentlich verlangt. Deshalb sind die Grünen nun einerseits stolz auf die Rolle, die Joschka Fischer spielt, können aus der Popularität ihres Außenministers als Partei aber nur wenig Profit schlagen. Dabei ist der Einfluss Fischers auf die Gremien deutlich spürbar: Geht er in Washington seinen Aufgaben als Außenminister nach, wird im Bundestag die Fraktion nervös. Beschwört er Tage später in Berlin den Parteirat, sind nachher auch die Warner vor angeblich maßlosen Militäreinsätzen friedlich. Aber die Partei hat diesmal nur wenig Zeit, um die realpolitischen Zumutungen des Außenministers zu verarbeiten, der seit dem 11. September die Welt nach neuen Maßstäben ordnen will und davon spricht, dass es sehr bitter werde. Aber wenn es den Grünen nach den Terrorangriffen nicht gelingt, ihre Wandlungsprozesse zu beschleunigen, sind sie für diese Zeiten schlicht zu langsam.

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