Wahlen in Italien : Show und schamlos

Er war weg. Jetzt ist Silvio Berlusconi wieder da. Daran ist auch sein Nachfolger schuld.

Andrea Dernbach

Einer der renommiertesten Demoskopen Italiens hat sich soeben öffentlich entschuldigt: Er habe sich geirrt, bekennt Ilvo Diamanti. Das Fernsehen bleibe auch im Internet-Zeitalter vorerst das mächtigste Informationsmedium, das meistgenutzte – von 80 Prozent der Bevölkerung nämlich und von 20 Prozent ausschließlich. Und der, der im Fernsehen sozusagen zu Hause sei, nutze es ausgiebig. Es stimmt, Silvio Berlusconi lässt zurzeit keine Talkshow und kein Studio aus, nicht einmal die seiner erklärten Gegner. Ein Jahr lang war er verschwunden, jetzt ist er allgegenwärtig und verringert den Abstand zum bisher favorisierten Mitte-Links-Lager beinahe von Tag zu Tag. Es hieße allerdings die Intelligenz der italienischen Wählerschaft zu unterschätzen, würde man glauben, die Showeinlagen des Cavaliere hätten sie hypnotisiert. Sie wissen vielmehr: Der meint es ernst, wenn er schwört, die Steuern des amtierenden Premiers abzuschaffen. Oder noch eine Schippe drauflegt und zurückzuzahlen verspricht, was die Regierung von Mario Monti bisher damit eingenommen hat. Berlusconis Angebot ist schamloseste Klientelpolitik, und die Nachfrage ist da. Sein Nachfolger ist daran nicht unschuldig: Monti begann als Aufräumer, doch das Leben der Italiener hat er nicht verbessert. Jetzt macht er Wahlkampf mit Enkeln und Familienhund und lässt sich als Heilsbringer plakatieren. Nur ist das leider das Erfolgsstück seines Vorgängers.

2 Kommentare

Neuester Kommentar