Meinung : Wahlkampf bildet

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Von Bärbel Schubert

Die Kultusminister haben in Eisenach positiv überrascht: Unter dem Druck der Aufregung über das schlechte deutsche Abschneiden beim Schultest Pisa haben sie sich auf bundesweit einheitliche Anforderungen an den Schulen geeinigt. So wollen sie das Bildungsniveau heben. Tests auf allen Schulstufen sollen das sicherstellen. Und ein gemeinsamer Aufgabenpool bewirken, dass auch die konkreten Ergebnisse einheitlicher ausfallen. Das Ergebnis wird kein bundesweites Zentralabitur sein, aber ein Zusammenrücken. Sowie Transparenz und Kontrolle.

Dafür mussten die Minister über ihren parteipolitischen Schatten springen – und das im Angesicht der nahen Bundestagswahl. Vielleicht hat die sogar geholfen: SPD wie Union haben das Schulthema in den Mittelpunkt ihrer Wahlprogramme gestellt. Die Schulminister haben ihren Gestaltungswillen nun gezeigt und die Forderungen nach einer stärkeren Bundeskompetenz in der Schulpolitik erst einmal zurückgewiesen.

Der Druck auf die Schulen wird durch die vereinbarten einheitlichen Anforderungen und die regelmäßigen Überprüfungen wachsen. Damit die Schulen daran wachsen können, brauchen sie aber auch Hilfe: Geld und Gestaltungsfreiräume. Das müssen die Kultusminister und ihre Ministerpräsidenten ihren Finanzministern noch abtrotzen, wenn die Priorität für Bildung ernst gemeint ist.

Zur neuen Tatkraft der Kultusministerkonferenz passt auch, dass die Runde den Stadtstaaten Berlin und Hamburg grünes Licht für ihre geplanten Pisa-Nachtests im Herbst gegeben hat. Die Ergebnisse zur Lesefähigkeit der 15-jährigen Schüler sind nach nun zwei Jahren Verzögerung zwar nur schwer mit denen der anderen Bundesländer zu vergleichen. Deshalb werden sie auch nicht in das Bundesländer-Ranking im Juni und im November aufgenommen. Aber Berlin kann jetzt testen und damit Klarheit über den Leistungsstand seiner Schüler bekommen. Hilfreich ist dabei, dass nach dem Berliner Schulgesetz in diesem Durchgang alle ausgewählten Schüler zur Teilnahme am Test verpflichtet werden können. Die Grundlage für die dringend benötigte Verbesserung am Schulsystem kann damit gelegt werden.

Zwei große Fragen bleiben unbeantwortet: Wie kann man auch in Deutschland mehr junge Leute zu höheren Bildungsabschlüssen führen? In Finnland zum Beispiel machen 60 Prozent eines Jahrgangs Abitur, in Deutschland nur 28 Prozent. Und wie kann Deutschland die rote Laterne beim Abschneiden von Kindern aus bildungsfernen Schichten abgeben?

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