Wahlprogramm der SPD : Die Armen werden immer reicher

Im Wahlprogramm der SPD steht eines nicht, meint Malte Lehming: Seit Angela Merkel regiert, werden die Einkommen in Deutschland wieder gerechter verteilt.

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Manche sind angewiesen auf einen Teller Suppe aus der Suppenküche - hier ein Bild aus Wiesbaden.
Manche sind angewiesen auf einen Teller Suppe aus der Suppenküche - hier ein Bild aus Wiesbaden.Foto: dpa

Das stimmt doch, oder? Deutschland wird immer ungerechter. Die Reichen verdienen immer mehr, die Armen immer weniger. Besonders dramatisch ist die Lage, seitdem die sozial unterkühlte Angela Merkel regiert. Das jedenfalls glauben, laut einer Allensbach-Umfrage, rund zwei Drittel der Deutschen. Und es beweist, wie effizient der Wahlkampf der Opposition jetzt schon ist. Glückwunsch, Genossen! Euer neues Regierungsprogramm hättet ihr euch glatt sparen können.

Doch stimmt das wirklich? In seinem Wochenbericht Nr. 43 vom 25. Oktober 2012 (zum Pdf) kommt das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)“ zu einem anderen, ja komplett gegenteiligen Ergebnis. Demnach sind die realen Markteinkommen der Privathaushalte von 2005 bis 2010 deutlich gestiegen. Auch bei den verfügbaren Einkommen wurde ein Zuwachs verzeichnet. Sowohl im Westen als auch im Osten Deutschlands nimmt die Ungleichheit in der Verteilung des Einkommens seit 2005 kontinuierlich ab. „Die unteren 40 Prozent der Bevölkerung konnten ihr verfügbares Einkommen real um etwa zwei Prozent und damit überdurchschnittlich steigern“, heißt es in der Studie, die sich auf Daten des sozioökonomischen Panels (Soep) bezieht. „Die mittleren und oberen verfügbaren Einkommen stagnierten dagegen im Jahr 2010.“ 

Mit anderen Worten: Die Lohneinkommen der Deutschen werden seit 2005 wieder gleicher verteilt als in den Jahren zuvor. Das DIW spricht von einer „statistisch signifikanten Trendumkehr“. Hauptursachen sind die steigende Erwerbstätigkeit sowie die hohen Lohnabschlüsse. Untersucht wurden sowohl das verfügbare Einkommen als auch das so genannte Markteinkommen, bei dem auch Kapital- und Vermietungseinkünfte berücksichtigt werden. „Von 2005 an hat im Zug der konjunkturellen Besserung und der damit einhergehenden Aufhellung der Lage auf dem Arbeitsmarkt die Einkommensungleichheit in Deutschland abgenommen“, schreibt das DIW. „Diese Entwicklung war in Ostdeutschland stärker als in Westdeutschland.“ 

Um nicht missverstanden zu werden: Die Studie umfasst nicht die Entwicklung der Vermögen. Das Armutsrisiko wiederum hat sich seit 2005 „auf hohem Niveau eingependelt“. Alleinerziehende und allein lebende junge Erwachsene bleiben besonders stark von prekären Einkommenslagen betroffen. Das alles muss thematisiert und gegebenenfalls auch weiter skandalisiert werden. Aber dass sich die Lohnschere seit 2005 wieder schließt, statt wie zuvor weit öffnet, und Deutschland diesbezüglich im Mittelfeld aller OECD-Länder liegt, ist doch zumindest keine ganz schlechte Nachricht.

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