Meinung : „Wahrscheinlich werde ich 2007 antreten“

Hans-Hagen Bremer

Der Moment ist noch nicht da. Aber wenn er kommt, wird sie bereit sein. Ségolène Royal, der aufsteigende politische Star der französischen Sozialisten, hat erstmals ihre „wahrscheinliche“ Bewerbung um die Kandidatur der Linken zur Präsidentenwahl 2007 erklärt. Bisher hatte sie es sorgfältig vermieden, selbst darüber zu sprechen, aber alles getan, damit es andere tun.

Der Niederschlag dieser sorgfältigen Strategie ist an den Erhebungen der Meinungsforscher abzulesen. Seit Monaten führt die sozialistische Abgeordnete und Präsidentin der Region Poitou-Charentes die Beliebtheitsskala auf der Linken an, weit vor dem ehemaligen Premierminister Lionel Jospin und anderen Parteielefanten wie Laurent Fabius oder Jack Lang. Als Einzige auf der Linken könnte sie laut den Umfragen dem voraussichtlichen Kandidaten der Rechten, dem Innenminister und Vorsitzenden der Regierungspartei UMP, Nicolas Sarkozy, das Wasser reichen. Aber auch den hat sie jetzt erstmals an Popularität übertroffen. 59 Prozent der Befragten glauben, dass sie die Probleme Frankreichs zu lösen vermag, nur 49 Prozent trauen das Sarkozy zu.

Als die 52-jährige Politikerin im vergangenen Herbst ihre Ambition durchblicken ließ, reagierten ihre männlichen Kollegen in der üblichen Macho-Manier. Trotz ihrer in verschiedenen Kabinetten gesammelten Regierungserfahrung als Ministerin für Umwelt, Erziehung oder Familienfragen galt die Lebensgefährten des Sozialistenchefs Francois Hollande, mit dem sie vier gemeinsame Kinder hat, nur als politisches Leichtgewicht. „Und wer kümmert sich um die Kinder?“, witzelte Fabius zum Beispiel, während ein anderer stänkerte, die Präsidentenwahl sei kein Schönheitswettbewerb.

Der Spott dürfte ihnen vergangen sein. Die Herzen des Parteivolks schlagen ihr entgegen. Ihre Internetseite „désirs d’avenir“ (Zukunftswünsche) verzeichnete in kurzer Zeit über 6000 Diskussionsbeiträge. Von allen Seiten werden ihr Sympathien bekundet. Zu ihren Fans zählen die Schauspielerin Carole Bouquet, die Rapperin Diam’s, der Romancier Nicolas Rey oder Danielle Mitterrand, die Witwe des früheren sozialistischen Präsidenten. Selbst Sarkozy bezeugte ihr „Qualitäten“. Ihre Popularität wird mit der Aufnahme in die beliebte Fernsehshow „Guignols“ weiter wachsen. Dort räumt ihre nach dem Vorbild der Heldin aus dem Kultfilm „Kill Bill“ geformte Marionette mit dem Samurai-Schwert auf.

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