Wandel I: Irans Präsident Ruhani : Ankündigungspolitik

Hassan Ruhani gibt den Charmeur. Ja, er bietet sich sogar als Versöhner an. Die Vorbehalte des Westens gegenüber seinem Land entkräften, im syrischen Bürgerkrieg vermitteln, die Atomkraft nur friedlich nutzen – alles kein Problem, alles nur eine Frage des guten Willens. Und den habe er. Die Welt hört’s gerne. Nur einer schert aus der Reihe der Hoffenden aus: Benjamin Netanjahu. Israels Premier ist davon überzeugt, dass Irans Präsident die Staatengemeinschaft hinters Licht führen will. „Er verdreht alles, damit sich die Zentrifugen weiterdrehen können.“ Harsche Worte. Für Netanjahus zahlreiche Kritiker sind sie keine Überraschung. Gilt dieser doch als Nörgler vom Dienst. Nur: Viele Israelis denken ähnlich wie ihr Regierungschef. Sie fordern, dass den wohlklingenden Ankündigungen Taten folgen. Bis dahin müsse man in Teheran eine Bedrohung sehen. Zudem kann kaum geleugnet werden, dass einige Mitglieder der neuen iranischen Führung in den vergangenen Wochen mit Israel hart ins Gericht gegangen sind. Das Problem ist allerdings, dass Ruhani sich so clever wie gezielt an Washington wendet, um Jerusalem bei den Atomverhandlungen einfach außen vor zu lassen. Sollte er mit seinem Vorhaben Erfolg haben, wird dies Israel noch mehr isolieren. Keine charmante Aussicht. Ch.B.

Seiten 1 und 7

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