Wartehäuschen : Norman Foster hat den Bus verpasst

Stararchitekt Sir Norman Foster hat in Köln gebaut. Und zwar Wartehäuschen für den öffentlichen Nahverkehr. Schön, aber unpraktisch. Design schlägt die Nutzbarkeit. Unser Kolumnist Helmut Schümann möchte auf keinen Fall ze fooß durch Kölle jonn.

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Ich möch ze fooß noh Kölle jonn, Ich möchte zu Fuß nach Köln gehen, lautet ein über Köln hinaus bekanntes Lied des gefühligen Sängers Willi Ostermann, das den Kölnern, wie sie dort sagen "das Pipi in die Augen treibt." Selbst als leidenschaftlicher Wanderer und Zu-Fuß- Geher käme der Unterzeichnende niemals auf so eine beknackte Idee. Das hat etwas mit der Herkunft des Unterzeichnenden zu tun, etwa 40 Kilometer nördlich von diesem Köln. Aber mal angenommen, er müsse tatsächlich mal in das Köln, das Schicksal meint es ja mitunter nicht so gut mit einem, was müsste er dann da wohl machen: zu Fuß gehen. Das hat etwas damit zu tun, dass in Köln gerade Design die Praktikabilität geschlagen hat. Das passiert ja öfter. Auch in der Evolution, die den Paradiesvogel im Laufe der Jahre mit einer derartigen Eitelkeit für die Brautschau und einem so langen Schweif ausgestattet hat, dass er kaum noch fliegen kann, somit die Brautschau bei der ersten Besten beendet ist und Braut und flugbeeinträchtigter Bräutigam in der Folge monogam leben. Das hat jetzt nur bedingt etwas mit Köln zu tun, wo bekanntlich das Bützchen erfunden wurde und zu einer bestimmten Jahreszeit der Polyamorie gefrönt wird.

Und doch hat es etwas mit Köln zu tun, dass Design die Praktikabilität besiegt. Dass sind sie in Köln allerdings gewohnt. Den Dom haben sie im 13. Jahrhundert angefangen zu bauen, dann so lange an ihm herumdesignt, dass er erst im 19. Jahrhundert fertig wurde. Und nun haben sie Sir Norman Foster engagiert, der gemeinhin noch vor dem Sir unter dem Vorvornamen Stararchitekt firmiert. Der hat zwar nicht am Kölner Dom herumgefummelt, aber an den Haltestellenwartehäuschen der KVB, also der örtlichen Straßenbahn. Es ist wie beim Paradiesvogel. Die Häuschen sehen zwar schick aus, zumindest behaupten das die Kölner, und über Geschmack will man nicht einmal mit Kölnern streiten, man kann aber in ihnen nicht mehr machen, was eigentlich der Zweck eines Wartehäuschens ist: warten. Oder nur sehr erschwert, nämlich stehend. Stararchitekt Sir hat keine Bänke eingebaut. Nicht aus einer Laune heraus, sondern nach einer Vorgabe des Auftraggebers. Weil nämlich die Kölner Innenstadt so klitzekleine Straßen hat, ist kein Platz mehr für Bänke in den schicken Wartehäuschen. Und da auch die Straßenbahnen der KVB nicht anders agieren als alle Bahnen in Deutschland, nämlich mit Verspätung, kann die stehende Warterei ziemlich auf die Nerven gehen. Was bleibt: Ich möch ze Fooß durch Kölle jonn. Also ich natürlich nicht.Helmut Schümann

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