Meinung : Warten auf Arbeit

Neue Jobs wird es erst im nächsten Frühjahr geben

Alfons Frese

Das Jahr ist rum. Jedenfalls für die Arbeitslosen. Denn in 2003 sind keine neuen Jobs in Sicht. Die Hoffnung richtet sich nun auf den Frühling 2004, dann erst soll es mehr Arbeit in Deutschland geben. Sofern die Konjunktur anzieht und der Euro nicht zu stark wird; sofern es wirklich Reformen gibt, die Arbeitsplätze billiger machen, und keine weiteren Terroranschläge den schwachen Aufschwung der Weltwirtschaft abwürgen. So muss es einfach kommen. Andernfalls hätten wir ein Problem: Dann würde die Wirtschaft das vierte Jahr in Folge stagnieren, und wir müssten uns an japanische Verhältnisse gewöhnen: kein Aufschwung in Sicht.

Gegen dieses Schreckensszenario spricht einiges. Die Industriefirmen bekommen wieder mehr Aufträge, vor allem aus dem Ausland, und die wichtigsten Konjunkturbarometer steigen deutlich. Wirtschaft und Wirtschaftsminister sind sich einig: Die Konjunktur hat die Talsohle erreicht. Darauf deuten auch die Börsen hin. In den vergangenen fünf Monaten sind die wichtigsten deutschen Aktien um mehr als 50 Prozent teurer geworden – gemeinhin sind steigende Kurse ein Frühsignal für bessere Geschäfte, mehr Investitionen und Arbeitsplätze. Mit zeitlicher Verzögerung wiederum reagiert der Arbeitsmarkt. Wenn im Herbst die Konjunktur Schwung gewinnt, kommt sie frühestens ein halbes Jahr später richtig in Fahrt. Und auch dann erst gibt es zusätzliche Arbeitsplätze.

Doch was machen die 4,352 Millionen Arbeitslosen, die die Arbeitsämter im Juli zählten, bis dahin? Vielleicht gründen sie auch eine Ich-AG; immerhin 42 300 Arbeitslose haben sich mit den Fördergeldern dieses Hartz-Instruments bislang auf eigene Füße gestellt. Oder es fliegen noch mehr Arbeitslose aus der Statistik – viele Ältere lassen sich nicht länger von den Arbeitsämtern registrieren. Und womöglich zeigt das Prinzip des „Forderns und Förderns“ Wirkung, wie Wirtschaftsminister Clement meint. Die Arbeitsämter bemühen sich besser als bislang um einen Arbeitsplatz für den Arbeitslosen und verlangen im Gegenzug mehr Eigeninitiative. Gemeinsam mit ersten Umsetzungsschritten der Hartz-Reformen lässt das die statistischen Arbeitslosenzahlen sinken und hat zu einer leichten Dynamik im Niedriglohnsektor (Minijobs) geführt.

Schließlich haben die Arbeitsmarktreformen dazu beigetragen, dass die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Arbeitslosigkeit im Mai und Juni gesunken ist. Leider nicht im Juli, was vor allem an den Schulabgängern liegt: 85 000 Personen unter 25 Jahren meldeten sich arbeitslos; inzwischen sind das insgesamt 560 000. Und 60 000 Jugendliche werden vermutlich in diesem Jahr ohne Lehrstellen bleiben. Das ist ein Skandal, den Unternehmen und Politik gemeinsam zu verantworten haben. Die Schulabgänger können nicht auf eine Berufsausbildung warten, bis irgendwann die Konjunktur wieder brummt.

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