Meinung : Warten und wägen

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Der Zeitpunkt ist geschickt gewählt und seine Botschaft richtig. Gerade hat sich der Bundespräsident zum Zuwanderungsgesetz geäußert, alles in allem wägend. Ja, sechs Wochen ist es nun schon her, dass die Länderkammer ihre (heiß umstrittene) Zustimmung gab, und alle, die von Johannes Rau eine schnelle Unterschrift erwartet hatten, müssen weiter warten. Das sagt er offen. Er will wohl vorab diejenigen eines Besseren belehren, die behauptet haben, sein Urteil stehe längst fest. Das gilt vielleicht in der Tendenz. Vorher allerdings wird der Präsident, selbst kein Jurist, dafür ein Mann der Worte, noch Gespräche führen. Und glaube keiner, dass das nur Taktik wäre – nur ein bisschen. Wer Rau aus seiner Zeit als Ministerpräsident kennt, der weiß, dass er sich beraten lässt und davon nicht unbeeindruckt bleibt. Deshalb hat es durchaus Sinn, dass er keinen Termin seiner Entscheidung nennt. Hinzu kommt dann wahrscheinlich dieses bisschen Taktik: Aussitzen. Das kann auch seine positive Seite haben. In der Zwischenzeit kühlen sich die Gemüter ab; wie jetzt bereits zu merken ist. Zum Zeitpunkt der Verkündung wird dann entweder die Wahl vorüber sein – oder mindestens ist allen Matadoren klar, wie ihre Wahlchancen in toto stehen. In beiden Fällen entschiede sich an Raus Votum die Wahl nicht mehr. Aber viel für die Zukunft unserer Gesellschaft. Da soll der Präsident ruhig wägen. cas

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